Menschen, die sich für den Seelsorgeraum verantwortlich fühlen
Ausgabe: 2001/49, Tribert, Seelsorgeraum, Ottnang
05.12.2001
- Judith Moser-Hofstadler
Seelsorgeraum-Koordinator/ innen erfüllen ein neues Amt, dessen genaue Funktion erst mit der Praxis wachsen muss.
Seit einem Jahr ist jede Pfarre nicht nur Teil eines Dekanates, sondern auch eines Seelsorgeraumes. In diesen Einheiten aus benachbarten Pfarren soll Seelsorge funktionieren, auch wenn nicht für jede Pfarre ein Priester zur Verfügung steht.Mit der neuen Einheit ist ein neues Amt entstanden: Seelsorgeraum-Koordinator/in. Die Aufgaben dafür sind erst in einem Entwurf festgehalten, den Josef Weichselbaumer, einer der beiden Seelsorgeraum-Beauftragten der Diözese, verfasst hat. Eine letztgültige Definition kann erst mit der Erfahrung in der Arbeit entstehen. Eine Aufgabe ist sicher, ein Bindeglied zu sein zwischen Pfarren und Seelsorgeraum (SR), SR und Dechant sowie SR und diözesanen Stellen. Sie sollen den jeweiligen Dechant entlassen.
Jemand, der hier lebt
Notburga Tribert ist eine der inzwischen neun Seelsorgeraum-Koordinatorinnen und -koordinatoren. Sie wurde im Jänner 2001 in Ottnang gewählt. Der Seelsorgeraum Ottnang besteht aus den Pfarren Atzbach, Bruckmühl, Ottnang und Wolfsegg. In ihrer Pfarre Bruckmühl ist Frau Tribert im Pfarrkirchenrat und zweite Obmann-Stellvertreterin im Pfarrgemeinderat. Die Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden und hauptamtlichen Seelsorger haben absichtlich keinen Priester gewählt, weil Koordinator/in jemand sein sollte, der immer im Seelsorgeraum lebt. Bei Priestern ist diese Sicherheit durch mögliche Versetzungen nicht gegeben. „Ich bin verheiratet und bodenständig“, so könnte für Frau Tribert eine Begründung für die Wahl lauten.
Ihr ist bewusst, dass das Amt „erst reifen und wachsen muss“. Seelsorgeräume sollen der flächendeckenden Versorgung der Seelsorge dienen, aber die Eigenständigkeit der Pfarren ist ihr sehr wichtig. Notburga Tribert möchte die Pfarrgrenzen nicht als solche sehen, sondern als „Linien der Begegnung“. Die Ausbildung von Wortgottesdienst-Leitern/innen sei „im Werden“. Noch gibt es im Seelsorgeraum Ottnang mehr Priester als im Plan. Ein Teil der Arbeit könnte sein, „Gemeinsames zu suchen, zu finden und einen Prozess des Umdenkens in die Wege zu leiten“. Gemeinsames gibt es etwa beim Katholischen Bildungswerk. Die pfarrlichen Gruppen im Seelsorgeraum Ottnang haben ein gemeinsames Programm erarbeitet, das in jeder Pfarre aufliegt. Notburga Tribert erwartet von der Diözese, dass die Seelsorgeräume über geplante Neubesetzungen in Pfarren informiert werden.
Gemeinsames finden
Die Pfarrgemeinderäte aus dem Seelsorgeraum haben sich vor kurzem zu einer gemeinsamen Klausur getroffen, vor allem zum Kennenlernen und Austauschen von Erfahrungen. Zum Abschluss feierten die Pfarrgemeinderäte gemeinsam Gottesdienst in Ottnang. Bewusst gab es an diesem Samstag in keiner anderen Pfarre im Seelsorgeraum eine Vorabendmesse, und viele Menschen folgten dieser Einladung. „Das sollte dieser Gemeinsamkeit Ausdruck verleihen“, sagt Notburga Tribert, und das ist ihrer Meinung nach gelungen.