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Mit Energie und Ideen

Unternehmungslustige Frauen sind das Dorfgespräch
Ausgabe: 2002/01, Pfarrgemeinde, Sternsinger, Inge Gantner,
02.01.2002
- Michael Dittrich
„Mit den Kindern von Haus zu Haus ziehen war jedes Mal ein Erlebnis, das geht mir heuer schon ein wenig ab“, erzählt Inge Gantner über ihre Zeit als „Sternsingermutter“.

20 Jahre lang zog die heute 61-jährige Montafonerin mit „ihren“ Sternsingern in St. Gallenkirch von Haus zu Haus. Gemeinsam mit ihrem Mann studierte sie mit den Kindern die Texte und Lieder ein, pflegte die Kostüme, begleitete die Gruppen in die Häuser und verköstigte zum Schluss die müden Sänger und Sängerinnen nach ihrem Einsatz.
Für heuer hat sie die Aktion in jüngere Hände gegeben. „Ich bin ein wenig müde geworden, und frischer Schwung tut der Sache gut“, meint sie dazu. Wer den Lebensweg von Inge Gantner kennt, weiß, dass sie deswegen noch lange nicht die Hände in den Schoß legt. Viele Initiativen im Dorf sind mit ihrem Namen verbunden.

„Begonnen habe ich in der Frauenbewegung, die ich von 1967 bis 1995 als Obfrau geleitet habe“, erzählt sie über ihre ersten Schritte. Anfang der 70er Jahre wurde sie Mitglied des Pfarrgemeinderats. Mit Initiativen wie dem Frauenschitag oder karitativen Projekten stieß sie aber nicht nur auf Zustimmung im Dorf. „Frauen, die am Nachmittag Schi fahren, waren halt für manchen Mann etwas völlig Neues“, schmunzelt sie heute über die damaligen Widerstände. Für sie stand bei solchen Aktivitäten das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. „Es hat einfach Spaß gemacht, wenn wir zusammengesessen sind, miteinander geredet und gelacht haben. Man hat sich besser kennen gelernt und gemeinsame Ideen geboren.“

Zuhören können

In diesen gemütlichen Runden hat Inge Gantner eine Eigenschaft perfektioniert, die sie bis heute auszeichnet: „Die Inge ist eine vorzügliche Zuhörerin. Sie interessiert sich sehr für das Leben ihrer Mitmenschen, möchte wissen, wie es einem geht und wo es einen zwickt“, charakterisiert sie eine langjährige Freundin. Ob Nachbar, Jugendlicher oder Tourist, der herzlichen Einladung „kum doch amol vorbei zum Jassa“, konnte noch keiner wiederstehen, und so manches Problem wurde in entspannter Atmosphäre aus der Welt geschafft.

Knechtin Ruprecht

Und wenn die Leute nicht zu ihr kommen, kommt „Schwester Inge“ zu ihnen: „Diesen Dezember sind die Inge und ich als Nikolaus und Knecht Ruprecht von Haus zu Haus gezogen und haben kleine Liebesbriefe verteilt“, erzählt „Nikoläusin“ Magdalena Burtscher. „In den Briefchen konnten sich die Bewohner des Hauses schreiben, was sie aneinander schätzen“, erläutert sie den Hintergedanken der gemeinsamen Initiative. Auf die Frage nach dem Warum für dieses breite Engagement, antwortet sie bescheiden: „Für mich ist es einfach eine christliche Pflicht, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Mir tut es gut, wenn es anderen gut geht.“




Zur Sache:


Von Pfarrertaxi bis AssisifahrtMit Initiativen wie gemeinsamen Schirennen, Ausflügen, Nähkursen oder karitativen Projekten wurde Inge Gantner und ihr Team Anfang der 70er Jahre zu einem wichtigen „Motor“ des gesellschaftlichen Lebens in St. Gallenkirch. Die aus heutiger Sicht vielleicht eher traditionell klingenden Ideen waren damals des Öfteren Dorfgespräch. Die Frauen der Region nahmen die Initiativen jedoch gerne an, wie die Teilnehmerinnenzahlen (in den besten Zeiten hatte die Frauenbewegung St. Gallenkirch über 200 Mitglieder) bestätigten.

Über ihre Arbeit im Pfarrgemeinderat wurde Inge Gantner zu einer wichtigen Stütze des damaligen Pfarrers Josef Wöß. Sie fungierte als Privatchauffeurin bei dessen Alten- und Krankenbesuchen. „Für mich war es schön zu beobachten, wie dankbar die Menschen auf unsere Besuche reagierten“, erzählt sie. Aber nicht nur der Pfarrer konnte sich auf ihre Taxidienste verlassen. Arztbesuche oder Einkaufsfahrten für Behinderte oder Alleinstehende standen und stehen noch heute auf ihrem „Fahrplan“. Ob Leihoma, Pflegehelferin oder Anlaufstelle für Trostsuchende, es gibt keine Rolle, die Inge nicht beherrscht.

Ein besonderes Verhältnis hat sie im Lauf der Jahre zum Geburtsort des heiligen Franz von Assisi entwickelt. Jedes Jahr fährt sie gemeinsam mit einer Gruppe Vorarlbergern nach Umbrien und „spürt dem Geist der Heiligen Clara und Franz nach“.
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