Während die meisten älteren Menschen Lärm stört, klagt der 65-jährige P. Albert Gabriel, dass es um seine Kirche in der Wiener Donaucity zu leise ist.
Früher war es die „Mistg’stättn“ von Wien, heute heißt das Gebiet Donaucity. Innerhalb weniger Jahre entstand zwischen den UNO-Türmen und dem Donaukanal eine Stadt in der Stadt: der höchste Wohnturm Österreichs, das größte Kino Österreichs – Bürotürme, Universitätsinstitute sind im Bau. Lediglich drei Gassen umfasst das Pfarrgbiet, dennoch leben dort mehr als 8.000 Menschen. Mit den tausenden, die in der Donaucity als Banker, Computerspezialisten, UNO-Beamte und Angestellte Arbeit haben, müsste im Stadtteil das Leben pulsieren. Tut es aber nicht.
Rund 60 Prozent der Donaucity-Bewohner sind Singles, die ihr Beruf voll und ganz fordert und die die Abende lieber in den Lokalen der Innenstadt verbringen als in ihren Wohnungen. „Es müsste mehr Kindergeschrei sein“, wünscht sich P. Albert, der erste Priester der Pfarre „Christus, Hoffnung der Völker“: „Es ist ziemlich steril.“ Dass das Pfarrleben nicht steril wird, dafür sorgt P. Albert mit seiner unkompliziert-herzlichen Art. Sein Lachen erfüllt
die Pfarrräume.
Lachen und zulassen
Aus einer Bauernfamilie aus St. Peter am Wimberg stammend, widmete der Salvatorianerpater sein Leben der Jugend: als Präfekt, Kaplan, Religionsprofessor und Inspektor. Gemeinsam mit seinen Schülern hat er die heute bekannteste Obdachloseneinrichtung Wiens gegründet: die „Gruft“ unter der Mariahilfer Kirche. Die Arbeit mit den Jugendlichen hat ihn fit gehalten. Diesen Jugendlichen Elan kann er nun beim Aufbau der Pfarre gut gebrauchen.
Seine pastorale Methode bringt er mit zwei Worten auf einen Nenner: „Zugehen und zulassen“. „Zulassen fällt mir ganz leicht“, meint er verschmitzt lächelnd – und erklärt, warum: „Weil es ohnehin niemanden gibt, dem ich ich etwas anschaffen könnte.“ Zu seinem größten Kapital zählt er die Kirche: Das niedrige Gebäude ist eine Provokation inmitten dieser Hochhäuser. Das so ganz andere Gebäude zieht die Menschen an: Neugierige, jene, die Ruhe suchen, und Beter. Es dauerte nicht lange, fanden die Wiener Spitznamen für das mit schwarzem Stahl ummantelte Kirchengebäude: Sarkophag, Kaaba, Schwarzer Würfel und Gebetsraktor. „Gebetsreaktor gefällt mir gut“, meint P. Albert. Auch den Menschen: am Sonntag zur 10-Uhr-Messe ist der „Reaktor“ mit 150 Gläubigen bis auf den letzten Platz gefüllt. „Sie sollten einen Sonntagsgottesdienst erleben“, schwärmt ein Mitarbeiter von P. Albert: „Was er predigt, kommt von Herzen und das spricht die Leute an."