Nach dem Gerichtsurteil über jenen 63-jährigen Ordensmann, der bis Juli 2001 zwei Innviertler Pfarren leitete, herrscht in seinen ehemaligen Gemeinden – im Blick auf die Opfer – Erleichterung.
Zu zwei Jahren unbedingter Haft wurde der Geistliche verurteilt. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Ordensmann erbat sich bis 10. Jänner Bedenkzeit: Bei der Verhandlung gestand er aber, sich an fünf Burschen im Alter von 12 bis 18 Jahren vergangen zu haben. Die Delikte: sexueller Missbrauch von Unmündigen und gleichgeschlechtliche Unzucht mit Personen unter 18 Jahren.
Der Dechant des Dekanates, in dem die beiden Pfarren des betroffenen Priesters lagen, begleitete so gut es ging die beiden Gemeinden – auch in den Monaten, in denen sie keinen eigenen Pfarrer hatten. Er schildert den beinahe unmöglichen Spagat: „Wie kann man mit Informationen umgehen, ohne jemanden bloßzustellen und gleichzeitg nichts unter den Teppich zu kehren?“ Wichtig sei, dass die Opfer Hilfe erhalten. Der verurteilte Mitbruder ist als Erwachsener für seine Taten verantwortlich, aber auch er brauche Unterstützung, so der Dechant. Wie bei der Gerichtsverhandlung bekannt wurde, war der angeklagte Priester – er stammt aus Holland – selbst als Kind Opfer homosexueller Übergriffe geworden.
Opfer ernst genommen
Der Pfarrgemeinderats(PGR)-Obmann jener 1.100 Einwohner Pfarre, in der der verurteilte Ordensmann tätig war, aus der aber keine Opfer kommen, wohnte der Verhandlung bei: Nach den gründlichen Vorerhebungen und dem umfassenden Geständnis sei er „von der Justiz überzeugt und das Urteil sei nachvollziehbar“. Er hoffe, dass man in Zukunft früher auf Indizien im Umfeld von sexuellem Missbrauch reagieren werde.
Erleichtert darüber, dass der Fall über die Bühne gegangen ist, zeigt sich der Bürgermeister des Ortes im Bezirk Schärding, aus dem die Opfer stammen: „Die Strafe zeigt, dass die Opfer ernst genommen wurden und Recht bekommen haben.“ Der Staatsanwalt hatte wegen Vergehen an sieben Burschen Anklage erhoben, der Verurteilte gab Vorfälle mit fünf Buben zu. „Ich verabscheue meine Taten“ hatte er in einem Geständnis geschrieben und sich bei den Opfern und deren Familien entschuldigt. Das Geständnis wurde dem Pfarrer mildernd angerechnet, erschwerend, dass die Taten über einen Zeitraum von mehreren Jahren erfolgt seien und es keine Einzelhandlungen waren.
Gerade in der ersten Zeit, als der Fall im Juli 2001 an die Öffentlichkeit kam, hätten es die Opfer nicht leicht gehabt. Manchen Menschen fiel es schwer zu glauben, dass Wirklichkeit war, was nicht sein durfte.
Pfarrleben intakt
Wenn der PGR-Obmann der betroffenen Pfarre an die Opfer denkt, dann spürt er nach der Verhandlung vor allem Gerechtigkeit. Und er ist froh, dass die Affäre zumindest einen äußeren Abschluss hat. Für die Opfer ist sie vor allem psychisch nicht ausgestanden.
Durch die Vorkommnisse in der Pfarre ist weder der Kirchenbesuch zurückgegangen, noch sind die Kirchenaustritte angestiegen, so der PGR-Obmann.
Die Diözese Linz hat nach der Verurteilung eines Ordenspriesters wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher in einer oberösterreichischen Pfarre neuerlich die Vorfälle bedauert. (Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Generalvikar Ahammer erneuerte auch das Angebot an betroffene junge Menschen und ihre Familien zur Beratung und zur psychologischen Begleitung, um den entstandenen Schaden soweit wie möglich wieder zu beheben: Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diözese mit all ihren Regionalstellen erreicht man über die Linzer Telefonnummer 070/ 77 36 76.