Die Zivilcourage stärken! – Darin sieht das Katholische Bildungswerk Braunau-Ranshofen eine seiner Aufgaben. Oft kooperiert es dazu mit dem Evangelischen Bildungswerk und anderen Gruppen.
Wissen, wer man ist, und dazu auch zu stehen, dafür braucht es Vorbilder. Franz Jägerstätter ist eines oder Franz Amberger und die Gruppe der kommunistischen und sozialistischen Eisenbahner in Braunau und Mattighofen und das Ehepaar Karl und Franziska Roidmaier aus Lengau, Zeugen Jehovas – alle NS-Opfer. Eine ökumenische Bildungsveranstaltung vorigen Herbst holte sie und andere regionale Vorbilder aus dem Schweigen der Geschichte.
Bildungsanspruch
„Widerstand als Haltung zu vermitteln, ist vielleicht schon ein zu hoher Anspruch. Es geht zunächst um Gerechtigkeit“, sagen die Leiter der Bildungs-Zusammenarbeit Waltraud und Walter Krenn vom Katholischen Bildungswerk (KBW) und Werner Forster vom Evangelischen (EBW). Letzterer ist zudem Obmann des Vereins für Zeitgeschichte. „Wenn es wirklich einmal ans Eingemachte geht, wirst du nicht durchhalten, wenn du dich vorher nicht in die Zivilcourage eingeübt hast“, sagt Walter Krenn. Seine Frau Waltraud weist auf ein allgemeines Bedürfnis hin, das für manches Schweigen verantwortlich ist: das Bedürfnis nach Harmonie. Dieses immer wieder kritisch zu hinterfragen sei wichtig. Auch wenn Scheitern nicht ausbleibt, der wiederkehrende Versuch auch auf dem Bildungssektor ist engagiertes Christentum.Seit mehr als zehn Jahren ist in Braunau ökumenische Bildungs-Zusammenarbeit üblich. Diese ist aber nicht die einzige. Bestens funktioniert auch die innerkatholische Zusammenarbeit: die drei Braunauer und die Ranshofner Pfarre haben ein gemeinsames Bildungswerk. Immer wieder kommt es darüber hinaus zu Kooperationen mit nicht-kirchlichen Gruppen und mit der Gemeinde. Das nimmt Veranstaltungen den ausschließlichen kirchlichen Stallgeruch und trägt dazu bei, dass sie auch von kirchenferneren Leuten besucht werden.
Am Puls der Zeit
In der Vielfalt qualitativ hochwertiger Bildungsangebote vieler Veranstalter sucht die Kirche nach Nischen in der Bildungsarbeit. Am Puls der Zeit zu sein, sei dabei wichtig. Zum Bildungswerk-Team gehören etwa acht Personen, die sich einer Tradition Braunaus nach dem Krieg verpflichtet fühlen. In dieser Zeit hat sich die Stadt zu einer Arbeiterstadt gewandelt. „Darauf“, so Werner Forster, „haben in den Kirchen die richtigen Leute zur richtigen Zeit richtig reagiert.“ So ist auch die Bildungs-Zusammenarbeit mit einem ausgewogenen religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Bildungsprogramm entstanden. Heuer waren/sind es etwa eine Veranstaltung zur EU-Erweiterung, Impulse zur sozialen und ökologischen Verantwortung, eine Gesprächsreihe „Herausforderung Weltethos“ mit einem interreligiösen Podiumsgespräch am 24. Jänner und mehrere Kunstveranstaltungen.
ZUR SACHE
Auftrag
„Glauben zu vermitteln, läuft sehr viel darüber, wie wir uns dem Auftrag für die Welt stellen“, sagt Werner Forster vom Evangelischen Bildungswerk Braunau. Mit ihm bildet das Katholische Bildungswerk Braunau-Ranshofen unter Leitung von Waltraud und Walter Krenn oft eine Achse, um gemeinsam diesem aktuellen Bezug Gestalt zu geben. Die Bemühungen um die Ökumene ist eine der dauerhaften Aufgaben für Christen, die eine konkrete Ausdrucksform in der ökumenischen Weltgebetswoche findet. In Braunau hat die Ökumene ein Bildungs-Abonnement:
Zur jüngsten ökumenischen Bildungs-Zusammenarbeit kam es im Herbst 2001 mit der Reihe „… auch in Braunau“, die außerdem der „Verein für Zeitgeschichte Braunau“ mittrug. Sie umfasste eine Ausstellung von Peter Huemer mit dem Titel „jägerstätter-entscheidungsphasen“ in der Stadtpfarrkirche Braunau, eine Informationsveranstaltung mit Zeitzeugen und die Uraufführung der „Missa Heroica in honorem Franz Jägerstätter“ des Brünner Komponisten Pavel Smutny.
Wer sich der jüngsten Geschichte stellt, spürt auch Widerstand. „Darum ist es gut, dass einzelne Personen miteinander gut können.“ Sie sind einander gegenseitig Stütze, sich nicht vom Kalkül des einfacheren Weges und des geringeren Widerstands verleiten zu lassen. So ist es möglich, mutige Projekte anzugehen und umzusetzen.