Viele Menschen finden den Weg aus Lebenskrisen nicht mehr alleine, doch nur wenige holen Hilfe von außen. Die Pfarre Reichenau hat dieses Problem aufgegriffen.
„Wir werden zwar nicht wahnsinnig stark in Anspruch genommen, aber immerhin …“ erzählt Pfarrer Hans Wührer. Im Herbst 2001 startete in Reichenau die „Beratung in schwierigen Lebenssituationen“. Neben dem Pfarrer haben sich fünf Menschen bereit erklärt, für andere da zu sein. Im Pfarrblatt wurden die zwei Frauen und vier Männer vorgestellt, neben der Telefonnummer und Adresse haben sie auch ein spezielles Problemfeld angegeben, für das sie sich als Ansprechpartner/innen zur Verfügung stellen.
Persönliche Erfahrungen
Beziehungsprobleme, religiöse Fragen, Suchtprobleme, Fragen der Jugend, Probleme des Altwerdens, finanzielle Notlagen, körperliche und seelische Gesundheitsprobleme – die „Beratenden“ können Berufs- und Lebenserfahrung einbringen. „Zwischen null und drei Beratungen“ hat laut Pfarrer Wührer inzwischen jedes Mitglied des Teams gemacht. Wobei eine Beratung meistens nicht mit einem Telefonat oder einem Besuch abgetan ist, sondern mehrmaligen Kontakt bedeutet. Wenn die Beratenden selbst nicht weiter wissen, gibt es die Möglichkeit, an professionelle Beratungsstellen weiterzuvermitteln.
Ernst nehmen und zuhören
Vielen Menschen kann aber „vor Ort“ geholfen werden. „Wir haben den Leuten bewusst vermittelt, dass wir niemandem ins Handwerk pfuschen wollen“, sagt Pfarrer Wührer. Er kann sich vorstellen, dass für manche Menschen die Hemmschwelle niedriger ist, sich jemandem in der Nähe anzuvertrauen, als zu einer Stelle in einer Stadt zu gehen. Damit sich die Beratenden nicht selbst aufreiben, sprechen sie in Treffen über ihre Erfahrungen.
Das Hauptanliegen der Beratenden beschreibt Hans Wührer vor allem so: „Ernst nehmen und zuhören.“