Für unsere Leute ist Ökumene etwas Ungewöhnliches, meint der serbisch-orthodoxe Pfarrer von Linz, Dragan Micic. Umso mehr freut sich die serbische Gemeinde, heuer Gastgeberin beim gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst der christlichen Kirchen zu sein.
Am 6. Jänner, dem Vorabend des orthodoxen Weihnachtsfestes, war der Platz vor der Hafenkirche voll. Tausende Leute waren zum Gottsdienst gekommen, aus aller Herren Länder, aus verschiedenen orthodoxen und anderen christlichen Kirchen. Sonst sind es an Sonntagen rund 300 Menschen, die die feierliche orthodoxe Liturgie mitfeiern, am Samstag Abend kommen etwa 50 Menschen zum Gottesdienst.„Unsere Leute führen ein doppeltes Leben“, sagt der Pfarrer: „Eines hier, eines unten in Bosnien oder in Serbien. Endlich ist der Krieg vorbei, und die Leute glauben und hoffen, dass unter der neuen serbischen Regierung auch kein Krieg mehr sein wird. Freier fühlen sie sich auch, weil die Generalsbeschuldigung, die Serben wären am Krieg schuld“, nicht mehr so zu spüren ist. Dabei sind viele Opfer der politischen Entwicklung gewesen.Seit zehn Jahren kann die serbisch-orthodoxe Gemeinde die Hafenkirche in Linz benutzen, dazu hat sie noch einen Gemeindesaal bekommen. Pfarrer Micic ist dankbar für die Unterstützung durch die Diözese Linz. Am Sonntag, 27. Jänner, wird eine besondere Liturgie und ein Fest mit Kindern gefeiert (10 Uhr).
Donnerstag, 24. Jänner, 19.30 Uhr. Ökumenisches Gebet aller christlichen Kirchen in der serbisch-orthodoxen Kirche in Linz, Posthofstraße.
Predigt: Bischof Maximilian Aichern.
ZUR SACHE
Die serbisch-orthodoxe Kirche in OÖ
Im Jahr 1969 haben die serbischen und die russisch-orthodox Gläubigen in Linz eine Kirchengemeinde gegründet, unterstützt vom damaligen Bischof Franz Zauner. Damals gehörte Passau zur Linzer Gemeinde. Zunächst stand nur eine Baracke als Gottesdienstraum zur Verfügung. 1991 bekam – nach einigen Übersiedlungen – die serbisch-orthodoxe Gemeinde Linz die Hafenkirche in Linz übertragen, dazu noch einen Gemeindesaal. Erzpriester Dragan Micic ist dankbar für die Unterstützung durch die Diözese Linz. Drei Priester wirken heute in den vier oberösterreichischen serbisch-orthodoxen Pfarren Linz, Enns, Steyr. Drei Religionslehrkräfte unterstützen sie. Insgesamt leben heute in Oberösterreich 15.000 serbisch-orthodoxe Christen.