Die Krippe in der Pfarrkirche Pfaffstätt birgt allerlei Überraschungen
Ausgabe: 2002/04, Pfaffstätt, Kanaa, Krippe, Jesus
23.01.2002
- Judith Moser-Hofstadler
Der erwachsene Jesus als Krippenfigur bei der Hochzeit zu Kanaa. Die Kuchen sind ein Geschenk von Erni Unrein für die Kinder.
Weihnachtlich sind an der Krippe in Pfaffstätt nur mehr die drei Weisen, die im Hintergrund abziehen. Vorne tritt Jesus erstmals als 30-Jähriger in Erscheinung.
Herodes und die vier Schriftgelehrten warten inzwischen gut verpackt auf den nächsten Einsatz am Ende des Jahres. Sie und zwei Engel sind die ältesten Figuren der Krippe in der Pfarrkirche Pfaffstätt. Für die Zeit bis Mariä Lichtmess haben Erni und Manfred Unrein „Die Hochzeit zu Kanaa“ aufgestellt. Die beiden sind als Mesnerin und Mesner tätig und betreuen in dieser Funktion seit 1989 auch die Krippe. Zwei Stunden brauchen sie, um die Hochzeitsgesellschaft herauszuputzen und aufzustellen. „Das geht nur, weil wir so ein eingespieltes Team sind“, sagt Frau Unrein, und wer den beiden zuschaut, gibt ihr Recht.
15 biblische Szenen
Die Krippe besteht aus 144 einzelnen Figuren. Die ältesten stammen vermutlich von 1730. 15 verschiedene biblische Szenen können dargestellt werden: Herbergsuche, Verkündigung der Hirten, Anbetung der Hirten mit Geburt Christi, Anbetung der Könige, Beschneidung Jesu, die Steinigung des Stephanus, Kindermord in Bethlehem, Zug der Heiligen Drei Könige, der zwölfjährige Jesus im Tempel, Heilung eines Aussätzigen, der römische Hauptmann, Jesus auf dem See Genezareth, der Teufel sät Unkraut zwischen den guten Samen, das Gleichnis vom Weinberg und Jesus als Sämann. Jesus gibt es in drei verschiedenen Darstellungen: als Säugling, als 12-Jährigen und als 30-Jährigen.
Unzählige Details
Die Hochzeit zu Kanaa ist einer bäuerlichen Hochzeit im 19. Jahrhundert nachempfunden. Manfred Unrein hat die Aufstellung bereits „im Handgelenk“. Jesus, Maria und die zwölf Apostel verbergen unter den langen Gewändern zwei Beine. Die übrigen Figuren stehen auf einen Stab. Maria und Jesus haben noch eine andere Besonderheit: Kniegelenke. So können sie je nach Szene knien oder – gestützt auf einem Stab – stehen. Petrus trägt bereits das Schwert und Judas ist an seinem „schiachen“ Gesicht zu erkennen.
Nach dem 8. Dezember stellen Erni und Manfred Unrein die erste Krippen-Szene auf: die Herbergsuche und die Hirten auf dem Feld. Für jeden Weihnachtsfesttag wird dann die passende Szene dargestellt. Für die Hochzeit zu Kanaa müssen die meisten Figuren aufgestellt werden. Kein Gesicht gleicht einem anderen. Die Handgelenke der Musiker quietschen, wenn sie in Position gebracht werden. Bevor sie auf ihren Platz kommt, erhält jeder den passenden Hut und ein Musikinstrument. Die Bläser halten ihre Instrumente mit den Lippen. Wer welches Instrument bekommt, ist der Laune des Mesnerpaares überlassen. Nur ein Musiker muss die Trommel spielen. Er hat ein „Hakerl“, an dem die Trommel umgehängt werden kann.
Unter die Hochzeitsgäste haben sich zwei Prominente gemischt: Kaiser Napoleon steht auf der Männerseite an der Tafel und der Freiheitskämpfer Andreas Hofer darf bei den Stadtleuten auftreten. Die Frauen bekommen Goldhauben aufgesetzt, und einige, deren Arme ein wenig Last aushalten, ohne nach unten zu sinken, dürfen Kuchen tragen. Sie sind ein Geschenk von Erni Unrein für die Kinder, die am Sonntag zur Messe kommen. Bis zu 80 kleine Kuchen bäckt die Mesnerin jedes Jahr.
Zum Jubiläum „100 Jahre selbstständige Pfarre Pfaffstätt“ im Jahr 2004 sollen alle Figuren aufgestellt werden.
Die Krippe ist bis Maria Lichtmess (2. Februar) aufgestellt. Besichtigung möglich, Anmeldung bei Manfred Unrein, Tel. 07742/23 13.