„Wir möchten unser Bemühen um ein gläubiges Leben als Zeugnis anbieten, aber niemanden vereinnahmen“, erklärt Abt Martin Felhofer zu einem Kernauftrag der Orden.
Der Mühlviertler Klostervorsteher schränkt selbstkritisch ein: Dieses „liebende Umsonst“ können wir noch nicht ganz. Im Bildungshaus des Stiftes Schlägl macht er allerdings häufig die Erfahrung, dass das absichtslose Lebenszeugnis von vielen Gästen geschätzt wird.
In den Pfarren stehen eher das „Dienstleistungsangebot“ der Kirche und Aktionen im Vordergrund, so der Abt. Die Klöster müssten als Ergänzung dazu Lebens- und Glaubensschulen sein. Der Einsatz für die Pfarrseelsorge sei gerade für Schlägl selbstverständlich, es dürfe aber die Gemeinschaft im Kloster dadurch nicht ausgedünnt werden. Der drückende Pfarrermangel könne nicht durch Ordensleute behoben werden. Abt Felhofer plädiert daher, auch über zusätzliche Formen der Zulassung zum Priestertum nachzudenken: „Wenn es in der Kirche in der Vergangenheit möglich war, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, kann das heute ebenso möglich sein“.
Für Abt Felhofer ist die Gemeinschaft ein unverzichtbares Zeichen, wie man heute auf den Glauben hinweisen kann. Im Bemühen der Orden um ein Miteinander von jung und alt, um das faire Austragen von Konflikten und um ein ehrliches Zusammenleben – darin liegen für Ordensgemeinschaften große Chancen: „Durch die Kultur unseres Lebens können wir Menschen zum Glauben helfen.“
Die kleiner werdende Zahl an Ordensleuten bringt in der Zukunft große Herausforderungen mit sich. Abt Felhofer ist aber zuversichtlich: Entscheidend ist nicht, ob die einzelnen Werke überleben, sondern der Geist der Orden“. Ein positives Beispiel stellen die Barmherzigen Brüder dar, die ihre Mitarbeiter/innen intensiv in die Geistigkeit des Ordens einführen.
ZUR SACHE
„Es tut gut hier zu sein“
KIZ: Worin sehen die Hauptaufgabe für Ordensgemeinschaften?
Sr. M. Michaela Pfeiffer-Vogl: Als Ordenschristen wissen wir uns in erster Linie in die Nachfolge Jesu Christi berufen. Selbst von Gott berührt, möchten wir diese Erfahrung des Heiles mit anderen teilen. Wir haben als Geistliche Gemeinschaften die Chance, suchende Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten.
KIZ: Wie schaut das konkret aus?
Sr. M. Michaela: Unser Leben ist auf Gott ausgerichtet. Wie sich das konkret im Alltag auswirkt, bleibt Auftrag unseres persönlichen Suchens. Gerade in unserer Zeit entstehen zum Beispiel viele geistliche Zentren, die zu einem erfüllten Leben beitragen wollen.
KIZ: Glauben Sie, dass das zeichenhafte Leben der Ordensgemeinschaften verstanden wird?
Sr. M. Michaela: In unseren Kneippkurhäusern machen wir zum Beispiel die Erfahrung, dass viele Menschen unbewusst spüren, was wir zeichenhaft zu leben versuchen. Sie sagen: Es tut gut, hier zu sein.
Sr. M. Michaela Pfeiffer-Vogl ist Generaloberin der Marienschwestern vom Karmel und Vorsitzende der Regionalkonferenz der Frauenorden in der Diözese Linz.
Orden in OÖ
Die 1.263 Ordensfrauen (Stand: 2001; 1999: 1.294) die in Oberösterreich leben, gehören 23 verschiedenen Gemeinschaften an. Die Männerorden zählen in der Diözese Linz 420 Mitglieder (1994: 484). Im Jahr 2000 gab es 26 Männer und eine Frau, die als Kleriker, Novize/in und Kandidat/in ihren Gemeinschaften angehörten.