Beim Geld darf Europa nicht stehen bleiben. Es gilt, die Grundwerte ins Bewusstsein der Europäer zu bringen.
In diesem Punkt gab es Übereinstimmung bei der Veranstaltung des Katholischen Bildungswerkes in Buchkirchen bei Wels. In Vertretung von Dr. Erhard Busek, der auf Grund seiner neuen Aufgaben seine Zusage zurücknehmen musste, kam dessen Büroleiter vom Außenministerium, Dr. Werner Mikulitsch. (Dieser wechselte mit Jahresbeginn 2002 ins „Busek“-Institut für den Donauraum und Mitteleuropa.) An Mikulitschs Referat „Die Angst vor einem Europa ohne Grenzen“ schloss eine lebhafte Diskussion. In ihr ging es unter anderem um den Widerstreit der Ansichten, wofür die EU steht: für Frieden schaffen, Konflikte überwinden, gemeinsam die Zukunft gestalten, Kompromisse schließen, ... wie es Dr. Mikulitsch formulierte? Oder für ungehemmten Turbo-Kapitalismus, wie es in der Diskussion mehrfach anklang?
Rasch oder langsam?
Das Projekt Europa ist jedenfalls ehrgeizig. Zu ehrgeizig, meinte ein Diskussionsteilnehmer, der sich auf den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Schmidt berief. Dieser meinte in einem Zeitungsartikel, die EU-Erweiterung gehe zu schnell. Der Diskutant schloss daran seine Einschätzung, dass es für die Großkapitalisten so schnell gehen müsse. Sie seien die Nutznießer des hohen Tempos. „Ist das Tempo tatsächlich so hoch, wenn fünfzehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs solche Staaten in die EU aufgenommen werden?“, fragte Mikulitsch retour.
Auf die Solidarität verwies ein „kleiner Obstbauer“. Seine Aussage ist umso beachtlicher, weil er selbst schon schlechte Erfahrungen mit politischen Zusagen in Zusammenhang mit dem Osthandel machte (zollfreier Import von Getreide). Er meinte, wir müssten teilen und den Gürtel enger schnallen, damit es vielen besser geht und unser aller Wohlstand langfristig gesichert bleibt.
2004/2005 werden zehn neue Länder der EU beitreten (wenn der Fahrplan nicht durch besondere Umstände verzögert wird): Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Zypern. Bulgarien und Rumänien sind nicht so bald beitrittsreif.
Bereit sein zu Kompromissen, das setze die europäische Integration voraus, meinte Mikulitsch. Aber die Integration habe auch Grenzen: das, was Europa verbindet, die europäischen Werte ... und in die Diskussion darüber müssten sich die Christen vermehrt einmischen.