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Weihwasser im Tank

Gabriela Gaßners unaufdringliche Aufmerksamkeit in der Pfarre Jenbach
Ausgabe: 2002/05, Gaßner, Jenbach, PGR, Pfarrgemeinderätin, Pfarrgemeinderat, Kirchenchor, Gottesdienst
29.01.2002
- Gilbert Rosenkranz
Gabriela Gaßner strahlt über das ganze Gesicht. Sie ist mit Leib und Seele in der Pfarrgemeinde Jenbach aktiv.

Als wäre sie verliebt, erzählt Gabriela Gaßner voll Begeisterung von ihrer Pfarrgemeinde Jenbach (Tirol). Sie berichtet von den vielen Arbeitskreisen und den rund 250 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch den Pfarrer deckt sie mit Komplimenten ein. Im Entdecken von Vorzügen ist Frau Gaßner eine wahre Meisterin.Auf Schattenseiten kommt sie von sich aus nicht zu sprechen. Und das, obwohl sich in den vergangenen Jahren an der Renovierung der Pfarrkirche die Gemüter erhitzt haben: „Mein Anliegen ist es, für die Menschen dazusein und nicht, sie zu verurteilen. Ich möchte helfen und heilen.“

Besser weggehen


Geradezu maßgeschneidert scheint für Frau Gaßner der Beruf der Arzthelferin. Ihr geht es da-rum, dass die Patienten besser weggehen, als sie kommen. „Und wenn es nur ein Lächeln ist, das sie hinausbegleitet.“So viel unaufdringliche Aufmerksamkeit macht stutzig. Woher hat sie das? „Begonnen hat alles mit einer Bibelrunde. Da sind mir die Augen aufgegangen“, erzählt sie. Aus der Meditation der Bibel sei das Bedürfnis entstanden, den Worten Taten folgen zu lassen. Nichts sei näher gelegen, als dies gleich an Ort und Stelle in der eigenen Pfarrgemeinde zu versuchen.

Familienunternehmen


Zehn Jahre lang war Gabriela Gaßner im Pfarrgemeinderat aktiv. Eine Aufgabe, die sie so ernst nahm, dass im Terminkalender fast kein Abend mehr für die Familie übrig blieb. „Jetzt kauf ich dir dann ein Auto, das mit Weihwasser fährt“, kommentierte Gaß-ners Ehemann Josef das umtriebige Leben der Vollblut-Pfarrgemeinderätin. Probleme in der Ehe habe es wegen ihres Dauereinsatzes nie gegeben. „Da ist mein Mann sehr großzügig. Außerdem ist er selbst in der Pfarre aktiv“, erklärt sie. Und sie nimmt ohne zu zögern das Wort „Gnade“ in den Mund, dass sie ihren Glauben mit dem Ehemann teilen kann. Zum „Familienunternehmen“ Gaßner gehören auch noch die Töchter Eva und Ruth, die bei der Gottesdienstgestaltung und in der Jungschararbeit mithelfen.

Nichts Besonderes


In den letzten Jahren ist es um Gabriela Gaßner etwas ruhiger geworden. Sie verschickt Dankschreiben an alle, die für die Kirchenrenovierung spenden, ist im Liturgiekreis aktiv, singt im Kirchenchor und springt ein, wenn Bewohner des Altersheims die heilige Kommunion wünschen. Dazu ist sie noch Kommunion-helferin, Leiterin von Wortgottesdiensten und bereitet die Gewänder für die Erstkommunion vor.„Die Arbeit in der Pfarre ist mein Hobby“, sagt Frau Gaßner. Weshalb für sie dieser enorme Einsatz auch „gar nichts Besonderes“ ist.


ZUR SACHE


Kanarienvogel Hansi


Wenn Gabriela Gaßner die heilige Kommunion zu pflegebedürftigen Menschen bringt, hat sie immer noch ein wenig Herzklopfen, obwohl sie schon seit 15 Jahren diesen Dienst macht. Zur- zeit ist sie als „Springerin“ im Altersheim tätig. Zuvor brachte sie zehn Jahre die Krankenkommunion in den Haushalt von Paula und Ursula Ogris.

„Mir war wichtig, dass die Frauen spürten, dass auch sie zur Pfarrgemeinde gehören“, erzählt Gaßner. Weshalb sie sich bei jedem Besuch ausreichend Zeit für einen gemütlichen Plausch nahm und die beiden über Neuigkeiten aus der Pfarre informierte. Allmählich entwickelte sich ein echtes Vertrauensverhältnis. Erledigungen bei der Post, Bankgeschäfte und kleine Besorgungen im Dorf gehörten bald wie selbstverständlich zum Alltag von Gabriela Gaßner.

Die Begleitung der Frauen schloss auch den Kanarienvogel Hansi ein. „Als er starb, waren die Schwestern zu Tode betrübt“, erinnert sich die Kommunionhelferin. Zuerst wollten die Schwestern keinen neuen Vogel. Doch dann besorgten Gabriela Gaßner und der Pfarrer zusammen einen neuen Kanarienvogel: „Sie können sich die Freude der Schwestern über den neuen Vogel nicht vorstellen. Sie tauften ihn wieder Hansi.“ Kein Wunder, dass der „Neo-Hansi“ zur Pflege ins Pfarrheim übersiedelte, als wegen Krankenstandes niemand den Vogel füttern konnte.

Das Zusammensein mit alten Menschen „lernte“ Gabriela Gaßner von Kindesbeinen an. Tür an Tür lebte sie als Kind mit ihrem Ur-großvater. Eine Erinnerung, die nie verblasst ist, sondern Frau Gaßner heute noch Beine macht.
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