Landwirtschaft befindet sich im Umbruch, darüber waren sich die Diskutierenden einig.
Bischof Maximilian Aichern äußerte am Donnerstag der Vorwoche im Bildungshaus St. Franziskus in Ried seine Sorge, dass der ländliche Raum entvölkert werden könnte. Wirtschaftliche und soziale Probleme und die schwindende Infrastruktur würden dazu führen, dass viele Familien ihren bäuerlichen Betrieb aufgeben. „Die Aufgabe der Kirche ist es, den Bauern Mut zu machen in dieser Situation“, so der Bischof. Sie seien mit der Kirche eng verbunden – mit Gebet und dem religiösen Hausbrauch.
Keine fertigen Antworten
Die Bischöfe hätten keine fertigen Antworten auf die Fragen der Landwirtschaft. Sie möchten den Menschen zuhören und „vorsichtig eine Perspektive öffnen“.Eine Erklärung für das fehlende Verständnis der Konsumentinnen und Konsumenten könnte für den Bischof sein: „Immer weniger Menschen sind mit dem bäuerlichen Leben und mit den Bedingungen, wie ihr tägliches Brot erzeugt wird, vertraut.“
„Es geht mehr denn je um die Bewahrung der Schöpfung“, sagt Mag. Hansjörg Eichmeyer, Superintendent der evangelischen Kirche in Oberösterreich. Auch wenn sich Bauern selbst nicht als Landschaftspfleger sehen würden, die Bevölkerung würde diese Aufgabe schätzen. Würden Bauern für diese Arbeit verdienen, was der Magistrat Linz für die Landschaftspflege in der Stadt zahlt, würde auf einem 25 Hektar großen Betrieb mit drei Arbeitskräften jede etwa 78.000 Schilling (Euro 5.668.48–) pro Monat verdienen, so die Rechnung von Eichmeyer.
Mag. Hans Kletzmayr, Präsident der OÖ. Landwirtschaftskamme, sagte: „Wir wissen, dass wir mit hohen Erwartungen unserer Mitmenschen leben müssen.“ Um sie zu erfüllen, sei die Landwirtschaft aber auf das Kaufverhalten der Konsumenten und auf die Gesetze angewiesen.
„Eine Krise bietet gleichzeitig eine enorme Chance für ein Umdenken und Handeln“, meint Andrea Reitinger von der „Entwicklungszusammenarbeit – Dritte Welt“ in Salzburg. Für die Akzeptanz höherer Preise sei es wichtig, „Verbraucherinnen und Verbraucher dorthin zu bringen, wo die Grundsteine für die Nahrung liegen“.
ZUR SACHE
Zur Zukunft der Landwirtschaft
Am 31. Jänner 2002 fand im Bildungshaus St. Franziskus in Ried im Innkreis die dritte ökumenische Diskussionsrunde zum Sozialbericht der christlichen Kirchen statt. Titel des Abends: „Zur Zukunft der Landwirtschaft“. Mehr als 100 Personen waren der Einladung gefolgt, die meisten von ihnen sind selbst in der Landwirtschaft tätig – im Voll- oder Nebenerwerb.
Einige haben ihre Anliegen und Fragen eingebracht:
– Angst vor der Osterweiterung. Die Landwirtschaft kann schon jetzt nur noch durch öffentliche Förderung überleben.
– Die Lebensmittel in den Supermärkten sind teurer, die Bauern erhalten trotzdem weniger für die Rohstoffe.
– Die Idee, dass jeder Betrieb einen Sockelbetrag von 100.000 Schilling (ca. Euro 7.270,–) erhalten soll.
– Größere Betriebe können billiger produzieren und sind durch die Höchstbemessungsgrundlage auch bei der Sozialversicherung begünstigt.
– Frauen mit geringerer Schulbildung werden benachteiligt, Bäuerinnen haben oft nicht die Möglichkeit für höhere Bildung.
– Die Bürokratie wird als Schikane empfunden.– Betriebe im Vollerwerb sollen noch größer werden, die enorme Arbeitssteigerung muss dann aber auch bewältigt werden.
– Bauern verdienen etwa die Hälfte von Arbeitern in anderen Branchen mit vergleichbarer Ausbildung.
– Wer jetzt einen Hof übernehmen will, muss sich überlegen, ob er sich die Übernahme leisten kann. Bei Gewerbebetrieben gibt es dafür Förderungen.
– Unsere Anliegen müssten auch andere Menschen hören, nicht nur die Berufskolleginnen und -kollegen.