Lebenszeiten – Kirchenjahr: Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit
Ausgabe: 2002/06, Aschermittwoch, Fastenzeit,
05.02.2002
- Matthäus Fellinger
Alles würde ein Mensch geben, könnte er sein Leben retten. Wer von einer unheilbaren Krankheit erfährt, würde so denken. Mein Leben ist in Gefahr. Ich sterbe! Darum geht es am Aschermittwoch.Im Stundentakt tönen die Nachrichten aus dem Radio, die Serien des Vorabendprogramms wiederholen sich weiter, aus dem Werksgelände steigt der schadstoffgereinigte Rauch, ein ständiger Geräuschpegel liegt über der Stadt. Im Supermarkt rechnen Kunden die Preise nach. Man lebt – und man lebt nicht schlecht.„Bedenk, o Mensch, du bist von Staub.“ Mit dieser Formel zeichnet der Priester das Aschenkreuz auf die Stirn. Wozu diese Erinnerung? Mensch, lebe nicht einfach dahin. Halte ein. Schau, wohin du gehst. Ist es der Weg, den du gehen wolltest? Suche deinen Unterhalt nicht in den Dingen, die man jederzeit nachholen oder ersetzen kann. Es geht um dein Leben selbst.
Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Sie ist eine Einladung. Frei werden soll der Mensch. Doch das braucht Zeit. Es geht nicht von selbst. Man muss ausbrechen aus seinen Gewohnheiten, um erleben zu können, was das Leben an Möglichkeiten birgt. Eine Beziehung unter Menschen stirbt, wenn sie sich nicht Zeit füreinander nehmen. So fällt auch ein Mensch aus dem Leben heraus – und es erscheint ihm sinnlos.
Fasten soll spürbar sein. Kein Fleisch dürfen Menschen zwischen 18. und 60. Lebensjahr zu sich nehmen am Aschermittwoch. In eigener Verantwortung sollen sie sich in der Fastenzeit selbst ein entsprechendes Fasten auferlegen. Es geht nicht um ein bloßes Verzichten, weil Gott Menschen auf Gehorsam hin prüfen wollte. Vielmehr geht es um den Geschmack am Leben, den der Mensch gewinnen kann. Das Geschenk des Lebens soll niemals selbstverständlich genommen werden.
Fasten bereitet auf Ostern vor. Umkehren. Buße. Frei soll ich werden für die ganz persönliche Lebensberufung – dazu hilft die Fastenzeit. In der Tat, es besteht Lebensgefahr. Ohne, dass man es richtig merkt, hat man sonst das Leben verloren.