Wer weiß, ob Salz seinen Geschmack verlieren kann? „Ihr seid das Salz der Erde“, sagt Jesus zu seinen Jüngern und Jüngerinnen in der Bergpredigt. „Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?“ Wie ist das, kann Salz überhaupt den Geschmack verlieren? Natriumchlorid, also Kochsalz, kann den Geschmack nicht verlieren, sagt mir ein Chemiker. Vielleicht hilft es nachzulesen, wo in der Bibel von Salz die Rede ist.
Salz ist ein uraltes Symbol der Gastfreundschaft. In vielen Gegenden gibt es den Brauch, dem Besuch bei der Begrüßung ein Stück Brot und ein wenig Salz zu reichen. Auch im Ersten Testament wird durch das gemeinsame Essen von ein wenig Salz ein Freundschaftsverhältnis besiegelt. Diese symbolische Handlung gibt es auch im Bereich des Glaubens. Im Buch Levitikus (2, 13) heißt es, dass einem Speiseopfer, das Gott dargebracht wird, „das Salz des Bundes deines Gottes“ nicht fehlen soll. So wie das Salz zu jedem Mahl gehört, so gehört es zu jeder Gabe, die den Bund zwischen Gott und Volk bewusst machen soll.
Im Judentum gibt es die Vorstellung, dass die Tora, das Wort Gottes, wie Salz ist für den Menschen. Salz ist lebensnotwendig, Salz ist kostbar, etwas, das man sich heute kaum mehr vorstellen kann – als „weißes Gold“ wurde es früher hierzulande bezeichnet. Diese Vorstellung vom Wort Gottes als Salz greift der Evangelist Markus auf (9, 50) und geht einen Schritt weiter. Für die, die an Jesus Christus glauben, sind auch Jesu Worte Salz, und Markus fordert auf: „Habt Salz in euch!“ Ähnlich die Botschaft bei Lukas (14, 34–35): „Wer Ohren hat, der höre!“ Salz wird aber nicht nur als Würze, sondern auch als Konservierungsmittel gebraucht. Dieser Gedanke taucht hier bei Markus und Lukas auf: Das Wort Gottes ist das Salz, das vor Fäulnis im Jüngerdasein bewahren soll.
Matthäus schreibt sein Evangelium mit Blick auf die Jünger und Jüngerinnen, die die Botschaft Jesu verkündigen. Und er sagt zu ihnen: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“ Niemand, so Matthäus, würde ein Licht anzünden, um gleich danach wieder ein „modios“ darüberzustülpen, jenes Gefäß, das damals zum Löschen einer brennenden Öllampe verwendet wurde. Das macht keinen Sinn. Wenn die Menschen durch euer Leben etwas vom Geist Jesu erfahren, dann werden sie euer Licht sehen – es geht gar nicht anders. Wenn ihr Gottes Wort immer wieder ernst nehmt und euch darum müht, dann seid ihr Salz der Erde – Salz, das seinen Geschmack nicht verlieren kann.
Brigitte Huemer ist Mitarbeiterin der Kooperationsredaktion der westösterreichischen Kirchenzeitungen