Die beiden Vereine CONDOR und „Selbstbestimmt-Leben-Initiative“ haben den gleichen Ansatz: Betroffene nehmen ihre Sache in die Hand. Und zum Wohl behinderter Menschen arbeiten sie auch zusammen.
„Das habe ich genossen“, sagt Andrea Fröschl über ihre Erfahrung mit „Persönlicher Assistenz“. Und sie fügt hinzu: „Es ist ein Gewinn an Lebensqualität.“ Andrea Fröschl ist muskelkrank, auf einen Rollstuhl und die Hilfe anderer angewiesen. „Will ich mir zum Beispiel Kleidung kaufen, kann ich das nur, wenn mich jemand unterstützt“ – Freunde, Familienmitglieder oder eben eine persönliche Assistentin. Eine Freundin von Andrea Fröschl hat eine ähnliche Behinderung wie sie. Von ihr erzählt sie: „Die ist richtig aufgeblüht, seit sie eine persönliche Assistentin hat.“ Jetzt kann sie ihr Leben selber gestalten ...“
Andrea Fröschl ist wie Brigitte Moosbrugger im Verein „Selbstbestimmt-Leben-Inititaive Linz“ (SLI) engagiert. Behinderte Menschen haben ihn gegründet. Sie arbeiten nach dem Grundsatz, dass sie in eigener Sache die Experten und Expertinnen sind. „Wir wollen unsere Anliegen selbst vertreten, auf die eigenen Bedürfnisse hinweisen und Benachteiligungen und Diskriminierungen abbauen.“
CONDOR vernetzt
Voriges Jahr wurde in Oberösterreich der Verein CONDOR gegründet. Wegen seiner ungewöhnlichen Vernetzung von Selbsthilfe-Engagement zeichnete ihn die Kirchenzeitung mit dem Solidaritätspreis aus. Menschen mit körperlichen Behinderungen oder Psychiatrieerfahrung bzw. Menschen, die aus anderen Ländern nach Österreich zugewandert sind, sind seine Mitglieder. Ein Merkmal verbindet sie – sie alle gehören gesellschaftlich an den Rand gedrängten Gruppen an. Am 31. Jänner war die offizielle Eröffnung von CONDOR mit den zwei wichtigsten Arbeits-Schwerpunkten: CONDOR Arts und die Persönliche Assistenz. Damit schließt sich der Kreis zu SLI auch organisatorisch. Denn die beiden Vereine arbeiten eng zusammen.
Kunst-Plattform
Doch zuvor ein Wort zu CONDOR Arts: Mit dem Kunstsalon, der Schreibwerkstatt und einer multikulturellen Musikband haben Künstler/innen aus benachteiligten Gruppen die Chance, ihr Können zu zeigen und sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Zusammenarbeit
Brigitte Moosbrugger ist für die Öffentlichkeitsarbeit von SLI zuständig. Sie und der Geschäftsführer von CONDOR, Günther Breitfuß, erklären, wie SLI und CONDOR bei der Persönlichen Assistenz zusammenarbeiten: CONDOR wird vom Sozialressort des Landes mit etwa neun Millionen Schilling finanziert und hat den Auftrag, die Persönliche Assistenz zu organisieren. Dazu beschäftigt CONDOR Frauen und Männer aus unterschiedlichsten beruflichen Erfahrungswelten – Studentinnen, Studenten, Wiedereinsteiger/innen, arbeitslose Menschen, Behindertenbetreuer ... Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Nach einer kurzen Ausbildung sind sie für den Einsatz als persönliche Assistent/inn/en bereit. Beim Verein SLI melden sich körperbehinderte Menschen, die Assistenz in Anspruch nehmen wollen. In einer Assistenzkonferenz wird unter Mitsprache der Betroffenen das Stundenausmaß besprochen.
Aufleben
Wie die Freundin von Andrea Fröschl könnten noch viele behinderte Menschen aufleben, wenn sie das Angebot der Persönlichen Assistenz nutzen. „Viele Betroffene“, so bedauert Brigitte Moosbrugger, „trauen es sich aber nicht zu, sie haben es nie gelernt, für die eigenen Bedürfnisse einzutreten. Da gehört ein gewisses Selbstvertrauen dazu, das Leben selber in die Hand zu nehmen.“ Aber es geht. Es geht oft mehr als man glaubt. Natürlich ist es auch ein Wagnis ...
STICHWORT
Persönliche Assistenz
Der Verein CONDOR organisiert die Persönliche Assistenz oberösterreichweit und beschäftigt Menschen für diesen Dienst (StundenlohnEuro 12,72). Auftraggeber/innen müssen einen geringen Selbstbehalt entrichten.