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Zum Leben berufen – Wege aus der Armut finden

Chile: Kirche fördert Chancengleichheit von Frauen in einer Männerwelt
Ausgabe: 2002/07, Leben, Armut, Chile, Frauen, Wasser, Gunn, Familienfasttag, KFB
12.02.2002
- Eleonore Bayer
Die Erstarrung des Winters löst sich. Die Kirchenzeitung lädt ein, die Fastenzeit bewusst zu gestalten. Eine achtseitige Sonderbeilage finden Sie daher in dieser Ausgabe zum Herausnehmen und immer wieder in die Hand nehmen – damit das Leben zu strömen beginnt. Die Katholische Frauenbewegung lädt außerdem zum Familienfasttag ein. Fasten hilft, dass Menschen aus der Armut finden.


Wege aus der Armut finden


Chile: Kirche fördert Chancengleichheit von Frauen in einer Männerwelt


Mit Geld aus der Aktion Familienfasttag lernen Frauen in Chile, Wege aus der Armut zu finden. Die Initiatorin Maria Gunn hat darüber in Österreich berichtet.

„Veränderung ist möglich. Wir dürfen nicht tatenlos der wachsenden Verarmung von Frauen und ihrer Kinder zusehen. Die Kirchen sind herausgefordert, sich einzusetzen für ein besseres Leben auch hier auf Erden.“ Maria Gunn (47), Leiterin der Sozialabteilung der Diözese San Felipe in Chile, kämpft seit Jahrzehnten für bessere Lebensbedingungen im südamerikanischen Land. Unterstützt wird sie dabei von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Aus Mitteln der „Aktion Familienfasttag“ wurde ein Programm aufgebaut, das Frauen befähigt, ihr Leben zu meistern und selbst Wege aus der Verarmung zu finden.

Verlassene Mütter


„In Chile sind die meisten Frauen zu Hause und dürfen ohne Zustimmung ihres Mannes gar nichts machen“, erklärte die gebürtige Kanadierin. Maria Gunn, Mutter von fünf Kindern: „Jede vierte Frau in Chile muss sich allerdings alleine mit den Kindern durchs Leben schlagen. Zwar gibt es nicht die Möglichkeit der Scheidung, aber die Männer verlassen trotzdem ihre Familien und bekommen mit anderen Frauen weitere Kinder. So ist ein Drittel der Mütter ledig. Staatliche Unterstützung gibt es kaum. 46 Prozent der Alleinerziehenden leben unter der Armutsgrenze.“

In der Diözese San Felipe, geprägt von Obstbau und ländlichen Kleingemeinden, kämpfte zuletzt Bischof Manuel Camilo Vial sehr engagiert gegen die Armut der Bevölkerung. Mit seiner Unterstützung konnte die Sozialexpertin spezielle Förderprogramme für die benachteiligten Gruppen, vor allem für Frauen, entwickeln.

„Das Wichtigste ist zuerst die Entwicklung und Stärkung der eigenen Persönlichkeit. Wir bieten den Frauen Kleingruppen an, in denen sie sich drei Monate lang regelmäßig treffen. Sie hinterfragen ihr Leben und erörtern ihre Probleme. Das bewirkt natürlich eine Veränderung. Manche Männer verbieten zwar ihren Frauen an weiteren Treffen teilzunehmen. Die meisten können aber ihren Mann von der Notwendigkeit dieser Entwicklung überzeugen.“

Einige Männer sind jedoch zu Maria Gunn gekommen und haben gesagt: „Wir wollen auch so etwas, was ihr unseren Frauen anbietet.“ Die Leiterin der Sozialabteilung in der Diözese San Felipe erkannte: die Männer brauchen eine Hilfe, um den Veränderungsprozess ihrer Frauen verstehen und annehmen zu können. So entwickelte sie spezielle Männergruppen, begleitet von männlichen Experten.

Dieses Modell ist bei den Veranstaltungen in Österreich auf besonderes Interesse gestoßen. „Frauen spüren hier auch, dass sie sich nicht nur alleine weiterentwickeln können. Wenn wir die Gesellschaft verändern und Frauen Chancengleichheit ermöglichen wollen, dann müssen sich vor allem auch die Männer verändern.“

Spielerisch lernen


Ein spezielles Programm zur Bewusstseinsbildung will Frauen ermächtigen, ihr Schicksal nicht tatenlos zu akzeptieren. „Einige Frauen haben eine Theatergruppe gegründet, die spielerisch typische Frauenprobleme aufzeigt und damit zum Nachdenken anregt. Wir gestalten aber auch im diözesanen Radio eigene Sendungen für Frauen, die wir auch an andere Stationen verkaufen.“ Maria Gunn bietet den Frauen auch Bibelgruppen an, in denen sie lernen, mit den Augen und Erfahrungen einer Frau die Heilsgeschichte zu lesen. „Es ist für ledige Mütter sehr schmerzhaft, wenn sie auf Priester stoßen, die sich weigern, ihr Kind zu taufen.“ Das von der Aktion Familienfasttag unterstützte Frauenförderprogramm sieht aber auch ganz konkrete Hilfe beim Aufbau von Einkommen schaffenden Kleinprojekten vor. Sie bieten nun selbständig Dienste für Kinderbetreuung, Altenpflege, Putzen und Catering an. Sie pflanzen und verkaufen Blumen und backen Brot nicht nur für die eigene Familie, sondern auch für andere Leute ihrer kleinen Dorfgemeinschaft.


Aktion Familienfasttag


Der Knoblauch muss geteilt werden, damit er seine ganze Wirkung als Gewürz und Heilmittel entfalten kann. Die positive Kraft des Teilens wird auch in der „Aktion Familienfasttag“ sichtbar, die 1958 von der Katholischen Frauenbewegung gestartet wurde. Seit Beginn steht der Tag im Zeichen des Kampfes gegen den Hunger. Millionen von Frauen wissen auch heute nicht, wie sie ihre Familie gesund und ausreichend versorgen können. Im Jahr 2002 sollen durch die Aktion Frauenprojekte mit 2,18 Mill. E (30 Mill. S) unterstützt werden.

Tipp: www.teilen.at
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