Der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul M. Zulehner hat die Pfarrbefragung von Schwertberg ausgewertet und der Kirchengemeinde fundiertes Material zur Gestaltung ihrer Zukunft übergeben.
Überraschend und gleichzeitig erfreulich war die Beteiligung an der Pfarrbefragung: 841 Schwertberger/innen – rund 25 Prozent der Katholiken – arbeiteten sich durch den achtseitigen Erhebungsbogen. Dabei gab nicht nur die „Kernschicht“ der Kirchgänger ihr Votum ab. Jeder Vierte der Befragten bezeichnete sich als „außenstehend“.
Bei Gott sein
Einen Schwerpunkt der Analyse bildete der Sonntagsgottesdienst. Rund 524 Schwert-berger/innen besuchen sonntags die Messfeier. Befragt nach den Gründen gibt beinahe die Hälfte „zur Andacht“ an, weitere 39 Prozent, um eine „Begegnung mit Gott zu haben“. Prof. Zulehner erläutert: „Die Leute suchen Gotteserfahrung aus erster Hand.“Nach der Hilfe für das tägliche Leben (31 Prozent) folgt erst an vierter Stelle der Wunsch nach Gemeinschaft (28 Prozent). Gewohnheit und Pflichtgefühl spielen eine nachgeordnete Rolle. Für die Pfarrmitarbeiterin Ingrid Penner ist dieses Ergebnis ein deutlicher Hinweis, mehr Räume für Spiritualität zu schaffen und die Gottesdienste meditativer zu gestalten. Und vor allem die bestehenden spirituellen Angebote noch bekannter zu machen: „Die Frauen, die zur Frauenliturgie kommen, sind begeistert, aber es nehmen nur relativ wenige daran teil.“
Freuen kann sich die Pfarre über ihre „missionarische Offenheit“: Es wandern mehr Menschen in die Pfarre ein, als auswandern. 17 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich der Pfarre angenähert haben. Dem stehen 12 Prozent gegenüber, die sich von der Pfarre entfernten. Für Pfarrer Johann Stöllnberger ist dieses Ergebnis auch eine Frucht der Besuchsdienste: Mitarbeiter/innen gehen zu jedem Neuzugezogenen und bringen als Willkommensgruß einen Laib Brot, Wein und einen Kirchenführer. Die Pfarre besucht auch regelmäßig alle Schwertberger/innen, die in den Krankenhäusern der Region liegen.
Pfarre als geistlicher Ort
Der Trend zur Annäherung an die Pfarre Schwertberg deckt sich mit europaweiten Umfragen. Das Interessen am spirituellen Leben nimmt zu, so Prof. Zulehner: „Das verbessert natürlich die Chancen werbend auf die Leute zuzugehen.“ Damit sich Menschen in die Pfarre einklinken, braucht es gezielte Informationen über das Angebot. So fällt in Schwertberg auf, dass die – gesuchten – geistlichen Angebote fast nur in der Kernschichte der Pfarre bekannt sind. Von der Kernschicht wissen 65 Prozent um die Bibelseminare. Von den Christen, die nur an Festtagen zur Kirche kommen, kennen nur 18 Prozent dieses Angebot.
Zur Sache
Kindergärten werden getrennt
In die Zeit der Pfarranalyse fiel auch die Auseinandersetzung zwischen Pfarre und Gemeinde um den Caritas-Kindergarten. Der Konfikt hatte sich an der Letztentscheidung bei Personalfragen zugespitzt. Nachdem die Gemeinde den Kindergarten ganz in ihre Kompetenz nehmen wollte, zeichnet sich nun eine andere Lösung ab: Die Gemeinde wird die Leitung des – von der öffentlichen Hand – neu errichteten Kindergartens bei der Hauptschule der Caritas entziehen und selbst führen. Die Pfarre wird sich auf den ursprünglichen Caritas-Kindergarten in der Bahnhofstraße beschränken. Das Gebäude in der Bahnhofstraße ist im Besitz der Pfarre. Seit mehr als 120 Jahren gehört die Betreuung der Vorschulkinder zu den Aufgaben der Pfarre. Pfarrer Johann Stöllnberger bedauert, dass viel Porzellan zerbrochen ist, aber die Trennung ist ein realistischer Weg.