Cursillisten von Braunau und Kremsmünster-Umgebung besuchen seit über zwei Jahrzehnten Häftlinge in Suben bzw. Garsten. Die Kirchenzeitung zeichnete sie mit dem Solidaritätspreis 2001 aus.
Samstag, 23. Februar 2002. Ein Tubaspieler, ein Gitarrist und ein schwarzer Sänger, der mit seinem ganzen Körper musiziert, bringen in den kahlen Saal eine herzliche Stimmung. Sie singen und begleiten „Hallelu ...“: Es ist wie jeden Samstag Gottesdienst in der Justizstrafanstalt Suben. Der Propst von Reichersberg, Eberhard Vollnhofer, zelebriert zweisprachig. Unter den mehr als 30 versammelten Häftlingen (in Suben sind über 200 Menschen in Haft) sind etwa die Hälfte Schwarzafrikaner.
Gefangene besuchen
Braunauer Cursillisten haben vor 27 Jahren den wöchentlichen Gang zu den Häftlingen begonnen und ihn bis heute durchgehalten. Sie stellen darüber hinaus für Strafentlassene in Braunau auch ein Haus mit sieben Wohneinheiten zur Verfügung. Um es finanzieren zu können, veranstalten sie einen monatlichen kleineren Flohmarkt, einmal im Jahr einen großen. Ähnliches tun Cursillisten in Garsten. „Ma, jetzt geht die Sonne auf“, begrüßte ein Häftling die Gruppe vor einigen Jahren an einem Sauwetter-Tag. Die Sonne geht auf, weil sich Menschen anderen zuwenden, die hinter Gittern fast vergessen sind. „Freude machen“ ist, so Maria Mayr vom Gefangenen-Cursillo-Team Garsten, das Ziel des monatlichen Cursillo-Nachmittags.
Gruppenstunde
Nach der Messfeier ist in Suben Gruppenstunde, ein Glaubensgespräch in, so gut es geht, entspannter Atmosphäre. Auch Einzelgespräche sind möglich. Meist gibt es in den Räumen der Anstaltsbibliothek zwei Gruppenstunden – eine für Deutschsprachige, eine für die Fremdsprachigen, derzeit vor allem Schwarzafrikaner. – Um sie nimmt sich der Reichersberger Propst an. Drogendelikte sind der Hintergrund für viele der Haftstrafen von Nicht-Österreichern.
Alljährlich im Mai wird im Gefängnis Suben ein drei Tage dauernder Cursillo angeboten. Dazu erwarten die Braunauer Cursillisten etwa 25 Teilnehmer. Danach werden wieder deutlich mehr Teilnehmer in die Gruppenstunden kommen. Im Lauf der Zeit wird dies – bedingt durch Haftentlassungen – wieder abnehmen, erklärt der Leiter des Teams, Rudolf Huber. Derzeit sind es bis zu zwanzig.
Bei der Gruppenstunde am 23. Februar steht das Thema Fasten im Mittelpunkt. „Was bedeutet es für uns?“, fragt August Prokop. Ein Häftling meint: „Wir herinnen sind gezwungen zu fasten. Aber auch die auferlegte Form bringt mich Gott näher.“ Fasten im Gefängnis sei etwa, wenn sich der Häftling um korrektes Verhalten bemüht, sagt ein anderer.
Diese zwei Stunden sind für die Häftlinge und die Cursillisten sehr wichtig geworden, ist das Resümee der Cursillo-Leute.
Ernst Gansinger
BUCHTIPP
Häf’nalltag
Das Buch „Alltag im Gefängnis“ ist das Ergebnis eines Kunst- und Literaturwettbewerbs, bei dem sich Gefangene in Wort und Bild darstellen konnten. Das Buch enthält ausgewählte Texte und Bilder zusammen mit einer Fotoreportage aus der Justizanstalt Wels.
Alltag im Gefängnis, Hermann Deisenberger/Christine Drexler (Hrsg.), Verlagsatelier Wagner, Linz 2000, Euro 16,71, S 230,–; ISBN 3-9500891-7-9.