Linz-St. Theresia hat eine neue Form von Fastentuch geschaffen
Ausgabe: 2002/09, Nahrung, Hungertuch, St. Theresia, Linz-St. Theresia, Fastentuch
27.02.2002
- Josef Wallner
In Anküpfung an die Tradition der Fastentücher hat die Pfarre den Volksaltar der Kirche mit einem Paravent aus Stoff umgeben.
Kein dominierendes Kruzifix, keine leuchtenden Glasfenster: Die Kirche von St. Theresia erhält durch ihre Höhe und Weite eine unvergleichlich sakrale Atmosphäre. Seit Beginn der Fastenzeit hat die Pfarre aber einen besonderen Akzent im Gottesdienstraum gesetzt: Der drei mal drei Meter große Granitaltar wurde auf allen vier Seiten mit einem Paravent verhüllt. Wer die Kirche betritt, dessen Blick wird unweigerlich von diesem mächtigen Kubus angezogen. „Wir haben einen Meditationspunkt geschaffen“, erklärt Pfarrer Mag. Manfred Wageneder, „der uns bei der Vorbereitung auf Ostern helfen soll.“Die Pfarre St. Theresia hat die Tradition, in der Fastenzeit die Altarbilder zu verhüllen, an ihre Situation angepasst: Statt des Fastentuches, eine andere Bezeichnung dafür ist Hungertuch, stellte sie Wände um den Altar.
Pastoralassistentin Marion Grubelnik hat den Paravent farblich gestaltet. Die grauen Farbelemente erinnern an die Asche als Zeichen der Vergänglichkeit. Rot steht für die Liebe, Weiß symbolisiert in vielen Kulturen den Tod, im christlichen Umfeld die Festlichkeit und Reinheit. Jede Woche wird die Vorderseite des Paravents, die als sechsflügelige Tür gestaltet ist, mit Leitworten aus dem Evangelium des jeweiligen Fastensonntags ergänzt.
Durch den verhüllten Altar bekommt das Wort ein besonderes Gewicht im Gottesdienst, erklärt Pfarrer Wageneder. So kehrt sich für ihn die Redewendung „am Hungertuch nagen“ im Gottesdienst um: „Wir nagen nicht, sondern wir nähren uns vom Hungertuch: von den Worten der Bibel, mit denen es bedruckt ist.“
Erst zur Gabenbereitung werden die Flügeltüren des Paravents geöffnet und wird der Altar sichtbar. Ebenso feierlich wie die Öffnung ist nach der Kommunion die Schließung. Wageneder: „Das langsame Öffnen und Schließen bringen eine gewisse Theatralik, die uns helfen soll, den Gottesdienst bewusst mitzufeiern und mit allen Sinnen zu erleben.“