Verständnis für die Notwendigkeit zu sparen, überwog bei der Kirchenversammlung am letzten Samstag. Allerdings: Die Vision für den Weg in die Zukunft muss deutlicher werden.
Um die wirtschaftliche Basis für die Seelsorge in Oberösterreich sicher stellen zu können, müssen in den nächsten Jahren jährlich rund 2,2 Millionen Euro (30 Mio. Schilling) eingespart werden. Die Bevölkerungsentwicklung lässt erwarten, dass die Kirchenbeitrags-Einnahmen langfristig niedriger sein werden. In einer gemeinsamen Tagung von Pastoralrat, Priesterrat und Dechantenkonferenz wurden die Sparvorschläge einer eigenen Strukturgruppe vorgestellt und diskutiert.
Beschränkung auf Kernaufgaben
Die deutlichsten Einsparungen sollen demnach in Zentralstellen erreicht werden. Das Pas-toralamt soll sich demnach auf „Kernaufgaben“ beschränken. So soll das Bibelwerk ab 2004 rund 1 Million Schilling einsparen. Die Aufgaben des jetzigen Referates Spiritualität sollen anders organisiert werden – etwa unter Einbeziehung von Orden und Bildungshäusern. Die Abteilung Medien im Pastoralamt soll nach dem Vorschlag aufgelöst werden. Das Bildungswerk, die Katholische Aktion, die Betriebspastoral und andere Einrichtungen werden weniger Mittel aus dem Kirchenbeitrag bekommen. Einsparungen durch Umorganisation werden auch für die Jugendarbeit überlegt.
Die Zukunft der Lehrerbildung
Breiteren Raum nahm bei der Tagung die Frage ein, ob sich die Diözese eine eigene Lehrerausbildung durch die Pädagogische Akademie der Diözese Linz leisten soll. Die Geldmittel der Diözese für diesen Bereich werden vorerst eingefroren. Im Raum steht der Vorschlag, die Akademie selbst mit der Religionslehrerausbildung und mit dem Religionspädagogischen Institut zu einer Pädagogischen Hochschule zusammenzuführen. Der Schwerpunkt läge dann bei der Lehrer-Weiterbildung. Weil aber das weitaus meiste Geld in diesem Bereich aus öffentlicher Hand kommt, hat der Staat ein entscheidendes Wort mitzureden. Dieser will die Standorte für die Lehrerausbildung in Österreich reduzieren. Bischof Maximilian Aichern ließ vor den Delegierten klar erkennen, dass er ein weiteres kirchliches Engagement in diesem Bereich befürwortet.
Deutliche Einsparungen soll es auch im Priesterseminar geben. Vor allem das Gebäude soll besser genutzt werden, für die wenigen Priesterkandidaten sollen andere Wohnmöglichkeiten geprüft werden.
Reduziert sollen auch die Zuschüsse für die Theologische Privatuniversiät werden.
Bischof: Sozial ausgewogen
Die Sparmaßnahmen der Kirche Oberösterreichs sollen in einem Weg des offenen Gesprächs und mit sozialer Sensibilität erfolgen, betonte Bischof Maximilian Aichern vor den Delegierten in der Pädagogischen Akademie. Die Selbstverpflichtung der Kirche zu sozialem Verhalten sei hier besonders wahrzunehmen, betonte Aichern.
Keine Kündigungswelle
Die Summe der geplanten Einsparungen bedeutet, dass künftig mit weniger Personal gearbeitet werden muss. Zu einer Kündigungswelle, so Diözesan-ökonom Dr. Josef Wöckinger, wird es nicht kommen. Eine Garantie, dass niemand gekündigt wird, kann er allerdings auch nicht geben.
Z U R S A C H E
Die Räte
Der Pastoralrat, der Priesterrat und die Dechantenkonferenz sind die drei Beratungsgremien der Kirche von Oberösterreich. Gewöhnlich tritt jedes der Gremien zwei Mal im Jahr zusammen. Dass sie diesmal gemeinsam tagten, unterstreicht die Dringlichkeit der Thematik. Die Möglichkeit einer Diözesanversammlung steht jetzt im Raum.