Erwerbsarbeit ist nicht nur dazu da, Geld zu verdienen
Ausgabe: 2002/11, Arbeit, Zwang, Herfleischentartung, Kumpfmüller, Zwang zur Arbeit
12.03.2002
- Judith Moser-Hofstadler
Arbeit und ihre Bedeutung in unserer Gesellschaft ist derzeit Thema im Bildungshaus Betriebsseminar in Linz.
„Wer nix arbeitet, is nix (wert)“, lautete das Thema beim offenen Sozial-Stammtisch im Bildungshaus Betriebsseminar am 6. März 2002. Die Politikwissenschaftlerin Mag. Margit Appel von der Katholischen Sozialakademie referierte über „Arbeitszentriertheit unserer Gesellschaft“. An die 70 Besucher/innen waren der Einladung gefolgt und haben sich auch rege an der Diskussion beteiligt.
Arbeit bringt Ansehen
Appel wies darauf hin, dass Erwerbsarbeit nicht mehr für alle Menschen materielle Existenz und soziales Ansehen sichern kann. Ein Arbeitsplatz hat an sich schon so viel Wert, weil damit Rechte und soziale Werte – Ansehen – verknüpft sind. Veränderungen in der Arbeitswelt bringen Probleme mit sich: Viele verdienen mit Erwerbsarbeit nicht mehr genug, andere sind davon überhaupt ausgeschlossen.
Hürden zur Arbeit
In der Diskussion wurden Hürden für den Zugang zum Arbeitsmarkt angesprochen. Deren gibt es viele: Ausbildung oder die gesellschaftliche Schicht, aus der jemand kommt. Die Voraussetzung, einen Arbeitsplatz zu finden, ist deshalb nicht für alle gleich, auch wenn zum Beispiel die Bildungsmöglichkeiten für alle gleich sind.Es wurde auch darüber diskutiert, wo die Grenze liegt, ob sich jemand freiwillig am Arbeitsmarkt beteiligt, und wo der Zwang anfängt. Eindeutig wurde diese Grenze im Nationalsozialismus überschritten. Im Betriebsseminar ist bis 22. März eine Ausstellung zu diesem Thema zu sehen. Ein Ergebnis der Diskussion fasst Peter Schwarzenbacher vom Betriebsseminar zusammen: „Wir müssen uns weiterhin der Bedeutung der Erwerbsarbeit bewusst sein. Unsere Gesellschaft ist darauf ausgerichtet.“ Es gibt sicherlich neue Berufsbereiche, die sich selber erhalten können. Aber der scheinbar selbstständige Lkw-Fahrer oder die Reinigungsfrau, die in flexible Arbeitszeit entlassen wurde, fallen aus sozialen Leistungen heraus.
„Herzfleischentartung“, eine Ausstellung von Hans Kumpfmüller nach dem Roman von Ludwig Laher. 11. bis 22. März 2002 im Bildungshaus Betriebsseminar, Kapuzinerstraße 49. Täglich von 9 bis 17 Uhr, um Voranmeldung wird gebeten: Tel. 0732/77 02 47.„Zwang zur Arbeit“. Diskussionsveranstaltung zur Ausstellung mit Dr. Roman Obrovski, Leiter AMS, Landesgeschäftsstelle OÖ, Dienstag, 19. März 2002, 19 Uhr.