Alle rufen nach Martha – Solidaritätspreisträgerin 2001
Eine nimmermüde Anlaufstelle für Sorgenkinder der Region
Ausgabe: 2002/11, Solidaritätspreis, Kern, Martha Kern, Bad Zell, Armut, Ausländer
12.03.2002
- Maria Haunschmidt
Martha Kern mit ihrem Fahrrad. Sie sammelt bei denen, die etwas erübrigen können, und sie gibt es jenen, die Hilfe brauchen. Ihr besonderes Anliegen ist, dass sich Ausländer/innen heimisch fühlen können. Für ihr beispielhaftes Wirken hat sie im Vorjahr einen Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhalten. Bis 21. März können noch Vorschläge für den Solidaritätspreis 2002 eingereicht werden.
„Ich halte es nicht aus, wenn es jemandem schlecht geht!“, sagt die pensionierte Volksschuloberlehrerin Martha Kern aus Bad Zell. Sie hilft an allen Ecken und Enden ...
... lebt Nächstenliebe, wie sie in der Bibel steht. Dafür hat sie den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhalten.
Die 66-Jährige könnte längst den so genannten Ruhestand genießen ... und den Wolken nachschauen – ihr Blick ist aber auf die Not anderer gerichtet. „Das habe ich von unserem Vater geerbt, der hat auch sein Letztes für andere gegeben!“ sagt sie. Sie half schon vielen alten Menschen beim Einkaufen und bei der Pflege. Auch machte sie sich für die Gründung von Patenschaften von psychisch Kranken stark, die bei „pro mente“ in Bad Zell leben.
Vor allem setzt sie sich für die Integration von Ausländern und Gastarbeitern ein: Sieben Familien konnte sie zu einer Wohnung verhelfen und 14 Personen zu einer Arbeits- oder Lehrstelle.
Die Lawine kam 1990 mit den ersten Polenflüchtlingen ins Rollen. 60 Vorsprachen waren nötig, bis Martha Kern eine halb fertige Wohnung für eine polnische Familie fand. Sie legte selber mit Hand bei der Fertigstellung an.„Dann waren es Türken-, Bosnier-, Albaner- und Mazedonierfamilien, die Hilfe brauchten!“, erzählt sie. Selbst mitten in der Nacht läuteten sie Kinder heraus, weil ihre Mutter einen Arzt benötigte.
Viele Ausländer begleitete Frau Kern schon bei Behördengängen. Schriftstücke hat sie penibel bei ihr zuhause in Ordnern abgelegt. Wegen einer Familienzusammenführung ist Frau Martha nun sogar dem Innenminister und dem türkischen Botschafter in Ankara keine Unbekannte mehr. „Meine Schwester findet für das scheinbar Unlösbare Lösungen und sie kann gut organisieren!“, sagt ihr Bruder Robert. Mit ihm lebt sie in einer bescheidenen Wohnung. Er schupft den Haushalt. Ohne seine Hilfe wäre vieles nicht möglich. Oft sind Raten oder Mietrückstände für Menschen am Rande zu zahlen.
Manchmal wird die Gutherzigkeit der Bad Zellerin ausgenützt. „Ich frag nicht nach Schuld. Wenn jemand bettelt, dann geht es ihm ohnehin schlecht“, findet die personifizierte Anlaufstelle für Sorgenkinder der Region. Für andere „bettelt“ sie, die im Sozialkreis der Pfarre tätig ist, selber: Sie besorgt und verteilt Notwendiges, von Babykleidung bis Heizmaterial, und beteiligte sich an großen Sammel-aktionen für ein Behindertenheim in Rumänien oder für Bos-nienflüchtlinge. Transportspesen für viele Spendenpakete bezahlt/e sie oft aus eigener Tasche
.„Es ist so viel Not, auch psychische!“, das ist ihre Erfahrung. Schon wieder läutet das Telefon, weil jemand seelischen Zuspruch braucht. Frau Martha reicht jedem Menschen die Hand und leiht jedem Menschen in Not geduldig das Ohr.
Es werden leider viel mehr Zäune als Brücken gebaut. Da ist es dann wie Balsam, wenn man von Menschen hört, die so ganz anders handeln.
Aus einem Dankschreiben an M. Kern
Z U R S A C H E
Solidaritätspreis
Die Kirchenzeitung lädt ihre Leser/innen ein, Vorschläge für den Solidaritätspreis einzureichen. Er wird heuer am 15. Mai zum neunten Mal vergeben. Schlagen Sie Personen und Gruppen vor, die sich durch besonders richtungsweisendes solidarisches Handeln auszeichnen. Der neben stehende Beitrag ist eines der mittlerweile mehr als 70 Beispiele ausgezeichneter Personen bzw. Gruppen. Auch in einer eigenen Kategorie Kinder/Jugendliche werden Preise vergeben.
Die Einreichfrist endet am 21. März 2002. Einreichunterlagen (aber auch eine formlose Einreichung ist möglich): Kirchenzeitung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, bzw.