Umweltzerstörung, Klimaveränderungen, wachsende Armut – bei vielen lösen diese Hiobsbotschaften Ohnmachtsgefühle und Resignation aus. Jeder kann diesen Entwicklungen durch sein Tun entgegentreten. Die „Bilanzen der Gerechtigkeit“ laden dazu ein.
Diese Woche stellte die „Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung“ (ARGE SVA) ihr Projekt „Bilanzen der Gerechtigkeit“ vor. „Wir möchten erreichen, dass möglichst viele Menschen ihre Freiheit dazu gebrauchen, ein nachhaltiges, umweltgerechtes und sozial verträgliches Wirtschaften und Leben zu fördern“, umreißt ARGE-Vorsitzende Isolde Schönstein das Anliegen.
Schritt für Schritt
„Wenn wir der wachsenden Umweltzerstörung, der Vergeudung von Rohstoffen und der immer tiefer werdenden Kluft zwischen armen und reichen Ländern nicht hilflos zuschauen wollen, dann müssen wir uns der Macht, die wir als Konsumenten haben, bewusst werden“, betont Schönstein. „Es liegt bei mir, ob ich ein Putzmittel kaufe, das die Umwelt schont; es ist meine Entscheidung, ob ich beim Nahversorger und beim Biobauernladen einkaufe oder zum Supermarkt fahre; ich habe es in der Hand, ob ich auf Ökostrom umsteige, welche Verkehrsmittel ich wie oft benutze, ob ich fair gehandelten Kaffee kaufe oder Sportschuhe, die unter sozialen Arbeitsbedingungen erzeugt wurden. Sogar als Sparer habe ich heute die Möglichkeit, in ökosozial geprüfte Werte zu investieren.“Das Projekt „Bilanzen der Gerechtigkeit“ will Menschen nicht nur ermuntern, ihr Verhalten zu verändern, es bietet auch eine konkrete Anleitung, wie man das Schritt für Schritt für verschiedene Bereiche (Konsum, Investitionen, Abfall) tun kann. Mittels detaillierter Erhebungsbögen sollen die Veränderungen festgehalten werden. Sie bieten den Projektteilnehmern die Möglichkeit, dort einzusteigen, wo es ihnen sinnvoll und machbar erscheint. „Ich weiß aus eigener Erfahrung“, so Schönstein, „dass jemand, der einmal begonnen hat, mit offenen Augen zu kaufen, dann Schritt für Schritt weitergeht. Deshalb bin ich so froh, dass wir mit diesen Bilanzen etwas in der Hand haben, das ganz auf das praktische Tun und das Lernen durch Handeln abzielt. Mit den Erhebungsbögen kann jeder festlegen, wo er sein Verhalten ändern möchte, wieweit er es geschafft hat, von konventionellen Produkten (Investitionen) auf ökologisch und/oder sozial verträglichere (nachhaltigere) umzusteigen und was ihn das gekostet hat.
Konkreter Glaube
Entwickelt wurden die „Bilanzen der Gerechtigkeit“ vom Triester Priester Don Fazzini, dem sich inzwischen 600 Familien und Einrichtungen angeschlossen haben. Die EU hat es als eines der „best practice“-Basisprojekte unterstützt. Eine Auswertung hat ergeben, dass die Teilnehmer an den „Bilanzen“ nicht nur ihre Umweltbelastung und ihren Verbrauch an nicht erneuerbaren Rohstoffen vermindert haben, sie haben sich auch einiges an Geld gespart. Don Fazzini weise aber immer wieder darauf hin, so Schönstein, dass viele der Teilnehmer von einer neuen Lebensqualität berichten. Sie hätten begriffen, was es heißt, dass sie als Christen zur Freiheit berufen sind. „Bilanzi di Giustizia“ – das sei für Fazzini auch ein pastorales Programm, betont Schönstein. „Menschen nehmen sich die Freiheit, bewusst nachhaltig zu leben und erfahren so die Bedeutung ihres Glaubens im Alltag auf neue Weise.“
Bilanzen der Gerechtigkeit
Zur Sache
„Bilanzen der Gerechtigkeit“ ist ein in Italien entwickeltes Programm, das möglichst viele Menschen dazu anleiten will, ihre Lebens- und Konsumweisen so zu verändern, dass sie nachhaltiger, sprich: ökologisch und sozial verträglicher werden. Eingeladen zum Mitmachen sind Haushalte jeder Größe ebenso wie öffentliche, kirchliche (Klöster, Bildungshäuser etc.) und private Einrichtungen.
Ein Eckstein des Programms ist das Führen von „Bilanzen“, die dabei helfen, die eigenen Ziele festzulegen und die Veränderungen der Verhaltensweisen zu überprüfen. Wer sich zur Teilnahme am Projekt bei der ARGE Schöpfungsverantwortung anmeldet, sollte diese Bilanzen mindestens drei Monate lang führen. Jeder Teilnehmer bestimmt dabei das Tempo und die Bereiche selber, wo er Veränderungen vornehmen möchte. Die „Bilanzen“ werden in gut gegliederte Erhebungsbögen eingetragen. Sie sollen regelmäßig an die ARGE zurückgeschickt werden. Dort werden sie von einem Team der Wirtschaftsuni wissenschaftlich ausgewertet. (Wer nur für sich die „Bilanz“ machen will, kann die Unterlagen ebenfalls bestellen.)Zu Beginn erhält jeder Projektteilnehmer ein „Startpaket“ mit Erhebungsbögen sowie Informationen zum Ablauf und zum Thema „Nachhaltigkeit“ (mit entsprechenden Adressen für weitere Informationen, Gütesiegelliste u. a.). Mindestens bis Juni gibt es eine Hotline (Christian Zettl) sowie monatliche Projekttreffen zum Austausch.