Balduin Sulzer feiert dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Ein Besuch im Atelier des Komponisten, Pädagogen und Ordensmannes ist daher höchst an der Zeit.
Gleich vorweg: Balduin Sulzer ist zwar – wie in einer oberösterreichischen Tageszeitung nachzulesen – „von einer Art Virus befallen“, beileibe aber nicht krank. „Balduin“ – so nennen ihn seine Schüler/innen und Kolleg/innen – ist quicklebendig, voller Ideen und Tatendrang. Sein „Fieber“ bezieht sich auf das dringende Bedürfnis, sich „musikalisch zu äußern“, erklärt er schmunzelnd.
Sein Atelier im Stift Wilhering entspricht den landläufigen Vorstellungen von einem Künstlerzimmer: Noten, Bücher, Ordner, Plakate, Zeitungsartikel, Zeichnungen stapeln sich in Unmengen auf Tischen und Sesseln, in den Wandregalen setzt sich das archivierte Chaos fort. Dazwischen sind zwei Klaviere „gepresst“, auf diversen Tischchen im Raum verteilt ein Telefon, eine gute alte Schreibmaschine und ein CD-Player.
Auf einer gemütlichen Sitzecke – direkt beim Fenster mit Blick auf den Innenhof des Stiftes Wilhering – nimmt Sulzer Platz.„Musik als Lebensquelle“ – Trifft das auf ihn zu? „In gewisser Hinsicht auf jeden Fall“, meint Sulzer. Musik sei eine wichtige Lebensäußerung: eine Äußerung von Lebenstraum, Lebenslust, Schmerz. Auch Tiere erzeugen Geräusche, etwa „wenn eine Kuh plärrt, ein Vogel zwitschert“. Aber das Erzeugen von Tönen sei noch keine Musik.
„Der Mensch als `vernünftiges Wesen´ hat die Möglichkeit, Töne zu ordnen. Das vorgefundene Tonmaterial kann er dann in einer bestimmten Form ausdrücken.“ Musik sei ebenso sinnlich erfahrbar, gehe über die Grenzen des Wortes hinaus: „Schmerz kann man mit Musik viel subjektiver, nuancenreicher darstellen.“ Komponist Sulzer: „Mit Musik kann man auch die Seele ansprechen. Mich reizt es, auf dieser Kommunikationsebene zu arbeiten.“ Mehr noch: zu komponieren bereitet „Pater Balduin“ ein „totales Vergnügen“. „Ob’s jemand gefällt, ist eine andere Sache“, weiß Sulzer um die Schwierigkeiten, die so manche/r mit zeitgenössischen Kompositionen hat. Musik ist für ihn Kommunikation zwischen Hörer und Erzeuger und ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Zur Vielfalt in der Musik – von der Klassik bis zur Moderne – meint Sulzer: „Es braucht eine Bereitschaft zum genauen Hinhören. Man muss einmal wohlwollend zur Kenntnis nehmen, was da ist, dann schaut der Kosmos des Lebens gleich anders aus.“
Elisabeth Leitner
ZUR PERSON
Geboren ist Balduin Sulzer am 15. März 1932 in Großraming. Mit zehn Jahren kommt er nach Linz. Als Ministrant im Linzer Dom singt er in der „Domschola“ mit. 1945 wechselt er ins Wilheringer Stiftsgymnasium. Nach der Matura schließt er sich der Ordensgemeinschaft der Zisterzienser an. Es folgen philosophisch-theologische Studien in Linz und Rom, in Wien studiert er das Lehrfach Geschichte. 1974 beginnt er mit dem Aufbau des Linzer Musikgymnasiums.
Dieses leitet er bis zu seiner Pensionierung (1997). Von 1981 bis 1986 ist Sulzer auch Domkapellmeister. Für sein kompositorisches Schaffen erhält er zahlreiche Preise. Am 20. 3.2002 wird Sulzer mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes OÖ ausgezeichnet.