Kirche soll sich durch Menschlichkeit in der Geschäftswelt auszeichnen, meint die kirchliche Liegenschaftsverwalterin Dr. Ingrid Kastner.
Überrascht war sie schon , dass sie sich gegen die männliche Konkurrenz durchgesetzt hat. Dr. Ingrid Kastner (43) trägt seit 2. April als diözesane Liegenschaftsverwalterin dafür Sorge, dass kirchliche Liegenschaften auch entsprechenden Ertrag bringen. Ihr „Job“ ist die andere Seite des diözesanen Sparkurses. Man will nicht nur Einsparungen treffen, um die kirchlichen Grundaufgaben für die Zukunft zu sichern, sondern auch nach neuen Einnahmequellen suchen. Kirchliche Grundstücke sollen so besser verwertet werden. Bislang ungenutzte oder schlecht genutzte kirchliche Räumlichkeiten sollen Ertrag bringen.
Dr. Ingrid Kastner hat nach ihrem Jus-Studium ihre berufliche Laufbahn bei einer Wohnungsgesellschaft der VOEST begonnen. Zuletzt hat sie für eine große Möbel-Handelskette geeignete Standorte in ganz Österreich ausfindig gemacht und verhandelt. Ein hartes Geschäft. Dass sie sich als Managerin jetzt für kirchliche Aufgaben bewarb, hat mit ihren inneren Einstellungen zu tun.
In der Kirche – so Kastner – würden doch andere Gesichtspunkte gelten als in der harten Geschäftswelt. Menschlichkeit, Feingefühl und eine soziale Verantwortung will sie in ihrem Berufsfeld zum Tragen bringen. „Die Kirche soll sich auch in diesem Bereich unterscheiden“, meint sie im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Dr. Ingrid Kastner ist verheiratet und hat einen 16-jährigen Sohn.
ZUR SACHE
Staat verdient am meisten
Rund 20 Millionen Euro werden zur Zeit jährlich in kirchliche Bauten investiert. Die Hälfte der Mittel dazu kommt aus den Pfarren, die andere aus Kirchenbeitragsgeldern. Rechnet man die öffentlichen Gelder und Förderungen dazu, so kommt man auf einen Gesamtaufwand von rund 30 Mio Euro. Rund 2000 kirchliche Gebäude werden damit erhalten. Von diesen 30 Mio Euro gehen 6 Mio Euro an den Staat – an Mehrwertsteuer. Nur rund 150.000 Euro gibt der Staat als Förderung des Denkmalschutzes zurück an die Kirche. Der Staat verdient also – ohne direkte Gegenleistung – am meisten am kirchlichen Bauen. Die Verpflichtung, die Gebäude in gutem Zustand zu halten, bleibt jedoch. Finanzkammerdirektor Mag. Siegfried Primetshofer zeigte diese Diskrepanz bei einer Pressekonferenz letzte Woche auf.
Auch eine zweite Forderung blieb bislang unerhört. Der seit langem gleichgebliebene Absetzbetrag von 1.000 Schilling (E 72,67) für den Kirchenbeitrag sollte erhöht werden. Das würde es der Kirche erleichtern, den künstlerisch und kulturell hochstehenden Stellenwert kirchlichen Bauens – so Baureferent Arch. Wolfgang Schaffer – aufrechtzuhalten.