Caritas-Haussammlung: Ein Auffangnetz für Lücken im Sozialstaat
Ausgabe: 2002/14, Caritas, Haussammlung, Mühlberger, Volksbegehren, Armut, Hilfe
03.04.2002
- Matthäus Fellinger
Auf der Müllhalde in Asten, auf der der Abfall des Zentralraumes Oberösterreichs gelagert wird, steht seit der Karwoche weithin sichtbar die „Arche Noah“. Die Bewohner des „Hartlauerhofes“ der Caritas haben das Schiff zusammen mit Künstlern geschaffen. Als Mahnmal will es zeigen, dass auch Menschen auf der unteren Skala des Ansehens einen Ankerplatz in unserer Gesellschaft brauchen.
Fördern statt drücken
Caritas-Haussammlung: Ein Auffangnetz für Lücken im Sozialstaat
8000 Männer und Frauen sind im April in Oberösterreichs Pfarren unterwegs. Sie sammeln für die Caritas. Ein Gespräch mit Caritasdirektor Mathias Mühlberger.
Das Volksbegehren „Sozialstaat Österreich“ läuft – die Caritas-Haussammler/innen sind unterwegs. Gibt es ein gemeinsames Anliegen?
Mathias Mühlberger: Beiden geht es um das Leben von Menschen, die es schwerer haben. Sie sollen soweit unterstützt und abgesichert werden, dass sie würdig leben können. Beim Volksbegehren geht es um die Grundsicherung und um bestmögliche Regelungen. Es wird auf der anderen Seite immer wieder Situationen geben, wo zusätzlich Hilfe notwendig sein wird. In solchen Situationen ist die Caritas da.
Reichen die gegebenen Sicherungsnetze aus?
Mühlberger: Wir haben ein gutes Sozialhilfegesetz. Im Einzelfall stellen wir aber immer noch Mängel fest. So müssen 13 Prozent der Einkommensbezieher mit Mitteln auskommen, die unter dem Sozialhilfe-Richtsatz liegen. Zunehmend schwieriger wird die Situation für Menschen in untypischen Beschäftigungsverhältnissen. Sie haben oft nur kurzfristig Beschäftigung. Das ist zum Beispiel bei Leasing-Vermittlungen der Fall. Betroffen sind gerade jene Menschen, die eigentlich mehr Stabilität und Sicherheit brauchen. Gerade von diesen ist aber die größte Flexibilität verlangt. Diese Menschen brauchen mehr Förderung statt noch mehr Druck. Da trauere ich einer offensiven Beschäftigungspolitik nach.
Sie meinten kürzlich, auch die Caritas muss sparen. Sind Dienste der Caritas gefährdet?
Mühlberger: Es besteht kein Anlass zum Dramatisieren. Wir müssen eine sehr sorgsame Finanzpolitik machen. Im Lauf der Zeit ändern sich Notlagen. Nicht alles, was einmal aufgebaut wurde, muss auf ewige Zeiten weitergeführt werden. So geben wir zum Beispiel jetzt die Caritas-Tischlerei in Asten auf, weil der Tischlermarkt sehr hart geworden ist. Wir könnten es nicht verantworten, den Abgang aus Spendenmitteln zu decken. Beweglichkeit wird notwendig sein.
Interview: M.Fellinger
ZAHLEN UND FAKTEN:
Insgesamt hat die Caritas-Hausssammlung im letzten Jahr 1.526.129 Euro (ca. 21 Mio S) erbracht. 42 Prozent davon gehen in die direkte Beratung und Hilfe. Für die Flüchtlings- und Gastarbeiterbetreuung wurden 16,1 % verwendet. Kindergärten und Horte haben 10 Prozent der Mittel gebraucht, die mobilen Dienste und andere Sozialprojekte rund 15 Prozent. In die Pfarren sind für soziale Anliegen ebenfalls 10 Prozent zurückgeflossen. Der Verwaltungsaufwand beträgt 7,7 Prozent.
ZUR SACHE
Die Caritas-Haussammlung
Von Tür zu Tür sind die Caritas-Haussammler/innen im April unterwegs. Kein einfaches Geschäft. Will die Caritas die verschiedenen Dienste für Notleidende aufrechthalten, ist sie auf ihre ehrenamtlichen Helfer/innen angewiesen. In Pfarren, in denen die Sammlung nicht mehr an den Türen organisiert werden kann, geht das Sammelergebnis bis auf zehn Prozent des Vorjahresergebnisses zurück.
Das meiste Geld geht heute in die Beratungseinrichtungen der Caritas. Die Zahl der Sozialberatungen ist von 4.765 im Jahr 2000 auf 6.633 betreute Personen oder Familien im Jahr 2002 gestiegen.
„Ich habe zu wenig zum Leben und weiß nicht, wie ich zu mehr kommen kann“, ist die häufigste Situation, vor die sich die Berater/innen gestellt sehen.Vor allem sind es psychisch oder chronisch kranke Menschen, Alkoholkranke und Menschen mit Behinderungen, die sich selbst nicht mehr zu helfen wissen. Zu den persönlichen Krisen kommen die Geldschwierigkeiten dazu. Eines ergibt das andere. Und das Ganze schlägt auf die Gesundheit. Der Wiedereinstieg in einen Beruf wird immer schwieriger.Eine Notschlafstelle, eine Wärmestube. Wenigstens das! Ohne Caritas gäbe es nicht einmal diese Orte, an denen ein Stück Achtung und Würde den Menschen geschenkt wird, denen das Schicksal übel mitgespielt hat.