Stadtpfarre Urfahr: Eine Kirche ganz nah bei den Menschen
Diskussion mit Vertretern aus Politik und Kultur über die Zukunft der Pfarre
Ausgabe: 2002/15, Stadtpfarrkirche, AEC, Ars Electronica Center, Haiden, Haderer, Part
09.04.2002
- Josef Wallner
Zu ihrem 300 Jahr Jubiläum wird die Stadtpfarre Urfahr ein Leitbild erarbeiten. Ein Baustein dazu war die Diskussion „Entschuldigung, was wollen Sie von uns?“
Der Ort sprach für sich: Die Stadtpfarre lud in das Ars Elektronica Center, in das Museum der Zukunft, um sich mit dem künftigen Weg ihrer Gemeinde zu beschäftigen. Dr. Christine Haiden, Chefredakteurin der Zeitschrift „Welt der Frau“ verglich die christlichen Gemeinden der Zukunft mit der Arche Noah. So wie die Tiere Zuflucht fanden, soll in den Kirchen-Archen geschützt werden, was es in der Gesellschaft immer weniger gibt: die Stille, das Gebet, der Widerspruch und die Fähigkeit Feste zu feiern.
Stabile Kirche ist gefragt
Günter Ecker ist Geschäftsführer von „SOS Menschenrechte“. Die Organisation führt im Gebiet der Stadtpfarre Urfahr ein Flüchtlingsheim für 300 Menschen. Da sich die Anforderungen an Vereine und Aktionsgruppen rasch ändern, solle die Kirche ein stabiler und konstanter Faktor sein, der eine solidarische Gesellschaft und eine Politik der Barmherzigkeit nicht in Vergessenheit geraten lässt. Konkretes Ziel der Zusammenarbeit könnte eine Partnerschaft für Menschenrechte mit der Pfarre sein, so Ecker.
Für den Linzer SPÖ-Gemeinderat MMag. Klaus Luger dürfe die Kirche den Anspruch der Seelsorge nicht vergessen. Eine Gemeinde müsse aber auch Ort der Wachsamkeit und Kritikfähigkeit sein.
Luger hob das Faktum hervor, dass die Kirche quer durch alle ideologischen Lager Bündnispartner in gesellschaftlich wichtigen Themen ist. Besonders wird das an der Frage des arbeitsfreien Sonntags deutlich.
Als Tankstelle für das Leben beschreibt Mag. Thomas Stelzer die Kirche. Der stellvertretende ÖVP-Landesparteisekretär sieht eine wichtige Aufgabe der Kirche in der Förderung der Familien. Diesen komme für die Zukunft eine noch bedeutendere Funktion zu.
Kerngeschäft bleibt Glaube
Bei allem sozialen Einsatz dürfe die Kirche die Liturgie nicht übersehen, mahnte Haiden. Menschen suchen die Pfarren als Orte, wo sie geistliche Stärkung erfahren. Das stehe an erster Stelle: „Die Liturgie muss so gefeiert werden, dass sich der Glaube erschließt“. Und als einzige Frau am Podium merkte Haiden an: Das Charisma und nicht das Geschlecht dürfe für den Einsatz in Gemeinden ausschlagebend sein. „Wenn Frauen in der Kirche nicht so beteiligt werden, wie es ihrem Empfinden entspricht, werden sie rascher wegbleiben, als man meint.“
ZUR SACHE
Wie Haderer die Kirche sieht
Mit Spannung wurde Gerhard Haderer bei der Podiumsdiskussion der Stadtpfarre Urfahr erwartet. Eingeladen noch vor den Auseinandersertzungen um sein Jesus-Buch, war der Karikaturist plötzlich zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit geworden. Und hat vermutlich dazu beigetragen, dass der Saal des Ars Electronica Centers voll war. Sein Blick richte sich von außen auf die Kirche, betonte der Cartoonist, da er im Zusammenhang mit der Affäre um Kardinal Groer ausgetreten sei. Nicht unmittelbar zum Thema gehörend, aber vom Publikum erwartet nahm er zu seinen Karikaturen Stellung: „Ich habe Jesus immer verehrt. Aber ich frage mich, ob sich die Kirche nicht von der Botschaft Jesus entfernt hat.“ Durch sein Buch werde nun über Jesus, seine Bedeutung und seinen Anspruch diskutiert, wie schon lange nicht mehr.
Es gäbe eine Konstante in der Kirche, die er sehr hoch schätze: Die Caritas, die sich ganz dem Menschen zuneigt. Das dürfe nicht verloren gehen, so Haderer. Der Kirche wünschte er eine große Offenheit und Sensibilität für die Fragen, die die Menschen wirklich beschäftigen.