Im Rollstuhl den Ort entdecken, eine Radiosendung oder ein Quiz über eine fremde Kultur produzieren … Das entsteht, wenn sich Jugendliche mit dem Thema „fremd“ beschäftigen.
„Fremd-körper, wort, -gehen, -artig, -sein“ diese Schlagwörter waren die Vorgabe für eine Ausstellung. Jugendliche in der Region Kremstal waren aufgefordert, sich am Projekt der Katholischen Jugend Oberösterreich zu beteiligen. Insgesamt sind 13 sehr unterschiedliche Gruppen dieser Aufforderung gefolgt. Sie haben vielfältige Arten von „fremdsein“ gefunden und genauso vielfältig sind die Ergebnisse ihrer Arbeit.Mädchen in Bad Hall sind im Rollstuhl durch den Markt gefahren. Sie haben das Thema „fremd“ auf zwei Arten erlebt: einerseits durch die Fortbewegung im Rollstuhl, zum anderen durch die Reaktion der Menschen rundherum. „Die Reaktion war arg,“ sagt Barbara Reichart, die Leiterin der Jugendgruppe. „Alle haben geschaut, doch wenn wir zu den Passanten hingesehen haben, haben sie sich schnell weggedreht.“ Nur wenige haben die Gruppe angesprochen und sich für das Projekt interessiert.
„Fremd sein“ im Heimatort
Die Jugendlichen haben auch in Geschäften ausprobiert, ob man mit einem Rollstuhl überhaupt an Regalen vorbei kommt. Barbara Reichart erzählt, dass sie sehr viel Hilfsbereitschaft erlebt haben. „Wir wollten etwas machen, was für die Leute fremd ist, und es war auch für uns eine tolle Erfahrung, das zu erleben,“ so ihre Zusammenfassung. Bei der Ausstellung wird ein Film über diese Aktion zu sehen sein.Aus Steinerkirchen kommt ein Beitrag zum Hören. Zwölf Jugendliche haben Radiobeiträge gestaltet. Geholfen hat ihnen Tülay Tuncel von Radio Fro in Linz, die selbst mit ihren Eltern als Fremde nach Österreich gekommen ist.
Radio und „Millionenshow“
Ein Quiz nach Art der „Millionenshow“ haben Firmlinge in Neuhofen an der Krems gestaltet. Zu erfragen sind kirchliche Begriffe aus der Firmvorbereitung, die ihnen „fremd“ waren.Jugendliche aus Molln haben eine Bildgeschichte zum Thema Homosexualität gestaltet und Schüler/innen der HBLA Kirchdorf/Krems werden eine Schachtel als Symbol für einen Schlafplatz von Obdachlosen präsentieren. Sie haben sich mit Obdachlosen in Linz unterhalten.
Die Organisatorin Elisabeth Seidlmann freut sich über die vielen Bereiche, die die Jugendlichen aufgegriffen haben. „Uns war wichtig, dass wir nicht bei fremden Kulturen oder Religionen hängen bleiben“, sagt sie.
Die Ausstellung „fremd“ wird am Freitag, 26. April 2002 um 19 Uhr auf der Burg Altpernstein in Micheldorf eröffnet. Sie wird im Sommer als Wanderausstellung unterwegs sein.
Info: Elisabeth Seidlmann, Tel. 0676/8776 3301, E-Mail: kj.kremstal@dioezese-linz.at.