Ausgabe: 2002/15, Senioren, Computer, Internet, Mail
09.04.2002
- Maria Haunschmidt
Noch überwiegt die Scheu, aber die Skepsis nimmt ab: Immer mehr Senioren entdecken die faszinierende Welt des „World Wide Web“. Vor allem Jugendliche machen ältere Menschen auf Internet, E-Mail und Klammeraffen neugierig. Viele Großeltern gehen bei den Enkelkindern in die Schule. Der typische Internet-Nutzer ist zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt, die älteren Menschen zählen aber zu einer stark wachsenden Nutzergruppe. Vor allem, wenn die elektronische Post eine Verbindung zu den Kindern in der Ferne möglich macht, wird die Technikscheu rasch überwunden.
Eine Hürde, online zu gehen, sind häufig die Kosten eines Computers. Für nicht wenige Pensionisten eine große Ausgabe. Hier ist die Erwachsenenbildung gefordert. Und die Kreativität. Das Internetzentrum der Pfarre Steyr Tabor zum Beispiel hat die Jugend als Zielgruppe, aber die Senioren haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sich eingemietet.
Hallo Oma, surf mit mir
In Kursen machen sich Senioren Internet-fit – und sind begeistert
Immer mehr ältere Menschen lernen das ABC des Internet. „Das macht richtig Spaß“, sind die meisten Senior/innen begeistert, wenn sie sich auf die neue Technik einlassen.
Ein Viertel der Senioren hat laut einer Umfrage Anschluss ans Internet. Internetkundige Senioren sind gewöhnlich begeisterte Nutzer. Nicht zuletzt deshalb absolvieren immer mehr Senior/innen Einführungskurse. Beliebt sind die Schnupperkurse bei Dr. Helmut Paul, früher Universitäts-professor in Linz. „Die Scheu ist jetzt genommen!“, sagt der pensionierte Sportprofessor Johann F. nach einem solchen Vormittag. Er hatte noch kaum Kontakt mit einem Computer, und er freut sich unter anderem darauf, sich in Zukunft Sportergebnisse übers Internet anschauen zu können.
Neugierde ist die Triebfeder für die temperamentvolle Frau Lotte P., sich mit dem neuen Kommunikationsmittel auseinander zu setzen. „Ich möchte einfach nur schauen, was es so gibt und ein wenig mitreden können!“ In einem Internet-Cafe war sie schon des Öfteren – und hat bisher immer jemanden gefunden, der ihr weitergeholfen hat. Die meisten der anderen Kursteilnehmer wollen sich selber einen Computer kaufen und erkundigen sich nach Anschlussmöglichkeiten.
Fürs Erste wollte man aber ohnehin zunächst nur in die Materie hineinschnuppern und ein wenig probieren. Üben muss man dann daheim und auf vieles selber draufkommen. „Selbst die Computermaus will nicht immer, so wie man möchte!“, ist die Erfahrung der ehemaligen Fabriksarbeiterin Luise Z. Kursleiter Dr. Paul, ein Computerfachmann der ersten Stunde (siehe auch „Zum Thema“) hilft, nimmt Angst, Skepsis und Scheu, und bringt ein wenig Humor und Lockerheit ins Spiel. „Ich merk mir das alles nicht so schnell“, sagt eine Dame. Mit ihren 67 Jahren dürfte die Sachbearbeiterin i. R. die Älteste beim heutigen Kurs sein. „Die Jungen in der Familie sind schnell ungeduldig. Da lerne ich es mir lieber auf meine Weise!“, sagt sie.
Auch Hans B., Landesbeamter in Pension möchte seinen Sohn, der ihm angeboten hat, mit ihm ins Internet einzusteigen, nicht belasten. „Man will sich auch nicht blamieren beim Nachwuchs!“, so lautet der allgemeine Tenor. Hans findet, dass man ohne Internet heute nicht mehr zurechtkommt, überall gibt es Verweise aufs World Wide Web. Die pensionierte Lehrerin Traute F. will in Zukunft selber wegen Telefon- und Zugauskünften ins Internet schauen. Auch möchte sie sich medizinische Tipps holen und wegen des Kaufes eines günstigen Wohnmobiles nachsehen. „Es gibt im Internet viele wertvolle Informationen, aber auch viel Mist“, erklärt der Kursleiter.
Bis die Senior/innen halbwegs zurechtkommen, sind viele Schritte notwendig: Computer hochfahren, mittels Suchmaschinen Homepages ansurfen, eventuell eine eigene E-Mail-Adresse anlegen – das Meiste ist neu und sehr spannend.