Kirchenzeitungsleser waren mit beteiligt am Caritas-Zentrum St. Lukas
Ausgabe: 2002/17, Weißrussland, St. Lukas, Näherinnen, Bienenzucht, Bienen, Caritas
23.04.2002
- Matthäus Fellinger
Eine Nähwerkstätte – wie im Bild – ist eines der vielen kleinen Projekte, mit denen die Caritas Minsk wirksam gegen die Armut hilft.
Ein anderes Beispiel: Durch Bienenzucht lernen „schwierige“ Jugendliche, Verantwortung zu übernehmen. Und sie erwirtschaften für sich und ihre Familien auch einen Ertrag. Unterstützt werden aus Linz Kinderheime, aber auch Armenküchen für Obdachlose und für Pensionisten, die zu wenig zum Leben haben.
Caritas-Linz hilft Caritas-Weißrussland. Für die verarmte Bevölkerung bedeutet diese Zusammenarbeit Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Zwei Nähmaschinen stehen da, Stoffe liegen auf dem Tisch. Konzentriert hält eines der Mädchen den Stoff, während das andere mit der Rasierklinge die Naht auftrennt. Das Kleidungsstück wurde irgendwo in Oberösterreich für die Weißrussland-Hilfe abgegeben. Die beiden Mädchen fertigen jetzt etwas Neues daraus. Sie lernen und versorgen sich selbst und ihre Familie mit Kleidung.
Im kleinen Städtchen Tscherwen befindet sich eines der „Sozialzentren“ der Region Minsk. Die Caritas der Diözese Minsk arbeitet mit solchen staatlichen Sozialzentren zusammen. Immer mehr Menschen fallen unter das staatliche Mindesteinkommen von rund 30 Dollar im Monat. Ein Kilo Fleisch kostet 4,5 Dollar.
St. Lukas vor Fertigstellung
Minsk ist zur Zeit Hauptzielgebiet der Auslandshilfe der oberösterreichischen Caritas. Mit rund einer Million Euro jährlich wird die Caritas Minsk unterstützt. Borowljani ist ein Vorort der Landeshauptstadt Minsk. Hier liegt das Caritas-Zentrum St. Lukas. Kirchenzeitungsleser/innen haben zusammen mit Goldhaubenfrauen, Jugendrotkreuz und mit dem Verein „Freunde der Caritas“ den ersten Baustein zur Errichtung des Zentrums gegeben. Fünf Häuser, damals Rohbauten, wurden angekauft. Zwei der Häuser werden ein Mutter-Kind-Zentrum beherbergen. 30 krebskranke Kinder – Opfer von Tschernobyl – werden hier zusammen mit ihren Müttern jeweils drei Wochen wohnen können, während sie im nahe gelegenen Krankenhaus behandelt werden. Das Mutter-Kind-Zentrum steht vor der Fertigstellung.
In den drei weiteren Häusern wird ein Schulungszentrum eingerichtet. Hier werden Leute auf Sozialberufe hin ausgebildet werden. Es sollen jedoch auch „ehrenamtliche“ Sozialhelfer für ihre Arbeit in den Dörfern und Städten des Landes das nötige Wissen bekommen.
Der Staat – neu und ungewöhnlich für Weißrussland – wird sich an den Kosten dieser Ausbildungen beteiligen. „Borowljani ist unser erstes großes Caritas-Projekt in Weißrussland“, sagt Pfarrer Michal Sapel, der Nationaldirektor der weißrussischen Caritas. Es wird – nach einer schwierigen Anlaufzeit – auch ein Vorzeigeprojekt und Modell für die künftige Zusammenarbeit mit dem Staat sein.
ZUR SACHE
Weißrussische Armut
„Ich werde wahrscheinlich keine Kinder bekommen“, erzählt eine junge Mitarbeiterin der Caritas in Minsk. Bei allen ihren Freundinnen, die in den letzten Jahren Kinder bekommen haben, sind diese Kinder nach zwei, drei Jahren krank geworden. Die Angst sitzt tief, dass das mit Tschernobyl zusammenhängt. Dabei liegt Minsk rund 300 Kilometer von Tschernobyl entfernt.
Offizielle Zahlen werden nicht genannt. Man kann sich aber ein Bild machen. In Marina Gorka gibt es ein von der Caritas unterstütztes Sozialzentrum. 80.000 Menschen wohnen im Bezirk. 2733 Familien in Not werden vom Zentrum betreut – ein Achtel der Bevölkerung ist das.
280 behinderte Kinder sind im Gebiet registiert. Rund 20 Säuglinge werden jährlich in der Stadt als „Findelkinder“ abgegeben. Ihre Eltern sind zu arm, als dass sie die Kinder versorgen könnten.
Anfang der 80er-Jahre wurden in der Region Wohnungen errichtet, um Arbeitern für ein geplantes Atomkraftwerk Platz zu bieten. Es kam anders. Heute leben viele Ausgesiedelte aus der Region Tschernobyl hier.
Die Hilfe aus Oberösterreich soll helfen, die Caritas von Minsk in ihrer Struktur zu festigen. Die Wärme und Herzlichkeit, mit der Besucher aus Österreich und Deutschland empfangen werden, ist bewundernswert – und nicht selbstverständlich. Ein Besuch in der Gedenkstätte Chatyn macht es deutlich. 2.230.000 Weißrussen – ein Viertel der Bevölkerung – hat 1942 das Leben verloren. Viele Dörfer wurden von den Faschisten ausradiert. Kommende Generationen sollen eine andere Geschichte in Erinnerung haben: Eine Wende zum Besseren ist durch die Partnerschaft möglich geworden.