Die erste „Nicht-Harfenistin“ wird im September ihren Dienst bei den Wiener Philharmonikern antreten: die Bratschistin Ursula Plaichinger aus Scharnstein.
Allgemein ist zunächst festzuhalten: Frauen in Spitzenorchestern sind noch immer rar. In den USA beträgt der weibliche Anteil in Spitzenorchestern 25 Prozent, in Deutschland 11 Prozent. Während die Berliner Philharmoniker mit 5 Prozent Frauenanteil punkten können, sind es bei den Wiener Philharmonikern noch weniger als 1 Prozent.
Erst 1997 beschloss der 1842 gegründete „Verein der Wiener Philharmoniker“ die Chancengleichheit für Frauen herzustellen. Die erste Frau, die 1997 in den Verein der Wiener Philharmoniker aufgenommen wurde, war die Harfenistin Anne Lelkes. Sie war bereits seit 1971 im Staatsopernochester aktiv. Ein/e angehende/r Philharmoniker bzw. Philharmonikerin muss folgende Stadien durchlaufen: Probespiel, dreijähriger Orchesterdienst in der Wiener Staatsoper. Nach dieser Probezeit kann um Aufnahme im Verein der Wiener Philharmoniker angesucht werden.
Der Linzer Robert Bauerstatter – er hat 1990 im Musikgymnasium der Diözese Linz maturiert – absolviert derzeit diese dreijährige Probezeit. Seine Pultkollegin könnte bald die Oberösterreicherin Ursula Plaichinger werden. Ende Juni hat Plaichinger ihr Musikstudium beendet, im September wird sie offiziell ihren Dienst bei den Philharmonikern antreten. Das Probespiel dafür hat sie bereits im Februar 2001 gewonnen. Plaichinger kann frühestens im Jahr 2004 im Verein der Wiener Philharmoniker aufgenommen werden. Sie wäre dann die erste Frau, die eine andere Stelle als die der Harfenistin bekleiden würde.
Plaichinger ist im OÖ. Landesmusikschulwerk groß geworden und hat im OÖ. Jugendsymphonieorchester ihre ersten Orchestererfahrungen gemacht: „Ich verdanke dem Landesmusikschulwerk sehr viel. Hier wird Großartiges geleistet“, verweist Plaichinger im Gespräch auf jene, die sie als Wegbereiter ihres Erfolgs sieht.