Nicht die hohe Politik im Nahen Osten erklärt die Journalistin Dolores Bauer in ihrem neuen Buch „Israel/Palästina“. Sie geht einen anderen Weg: Sie stellt den Lesern ihre Freunde und Bekannten vor – Juden wie Palästinenser – und lässt an deren Leben Anteil nehmen. Am jahrzehntelangen Einsatz des Ehepaars Avnery für die jüdische Friedensbewegung oder an der Sysiphus-Arbeit von Viola Raheb. Als Palästinenserin selbst in Bethlehem „eingekerkert“, ist sie für die Schulen der evangelischen Kirche in Palästina verantwortlich. Kurze Rückblenden geben eine Ahnung von der Geschichte des Konflikts. Das Buch behandelt aber vor allem die aktuellen Entwicklungen bis in die ersten Monate des Jahres 2002. Weihbischof Helmut Krätzl kritisiert am Buch, dass die Autorin das Vorgehen der israelischen Armee mit der Hitler-SS vergleicht. Trotz dieser berichtigt Krätzl, erhält der Leser einzigartige Einblicke in die gegenwärtige Israel/Palästina Tragödie.
Dolores M. Bauer, Israel/Palästina. Wenn aus Opfern Täter werden, Vabene Verlag 2002, 230 Seiten, Euro 23,90.