Aus Einsiedlern hat Benedikt Gemeinschaften geformt.
Einmal im Jahr besuchte Scholastika ihren Bruder. Dabei waren sie als Zwillinge auf die Welt gekommen – hatten die Enge des Mutterleibes geteilt. Aus dem Bruder wurde der „Vater des abendländischen Mönchtums“, Benedikt von Nursia. Auch Scholastika wurde Ordensschwester, folgte den Gründungen ihres Bruders nach Subiaco, später Montecassino. Einmal suchte auch Benedikt seine Schwester Scholastika auf. Ein Gewitter verhinderte die Rückreise. So vertieften sie sich in ein langes Gespräch über die Freuden des Himmels. Drei Tag lang sollen sie so miteinander gesprochen haben. Da starb – mitten in der Intensität des Gesprächs – Scholastika. Das Grab in Montecassino hat das Zwillingspaar später wieder vereint. Sie haben einander selten gesehen – und sind sich trotzdem so nahe gekommen. Gemeinschaft ist eben mehr als dauerndes Beisammensein.
Der hl. Benedikt hat dem Leben in den Orden bis in die heutige Zeit „Regeln“ geschenkt. Das Leben nicht einfach nur dahinlaufen zu lassen, sondern es zu regeln, das ist für Menschen insgesamt eine Herausforderung.Aus Einsiedlern hat Benedikt Gemeinschaften von Geichgesinnten geformt. Zwölf kleine Klöster waren es zunächst mit je zwölf Mönchen. Daraus sind im Lauf der Jahrhunderte weltweite Ordensgemeinschaften geworden.
Der Kern der benediktinischen Ordensregel besteht im berühmten „ora et labora“ – „bete und arbeite“. Die Mönche sollten sich mit ihrer Hände Arbeit den Lebensunterhalt schaffen. Sie ist nicht notwendiges Übel, sondern selbst eine Art Gottesdienst. Doch die Arbeit für sich allein soll nicht zum einzig bestimmenden Element ihres Lebens werden: Erst in der ständigen Unterbrechung der Arbeit – durch die fixen Zeiten des Stundengebetetes und des gemeinsamen Essens – gewinnt das Leben die fruchtbare Spannung. Selbst den Schlaf in der Nacht haben die Mönche unterbrochen, um Gott zu loben.
Scholastika und Benedikt besuchten einander nur einmal im Jahr – und haben sich doch nicht auseinander gelebt. Das Alleinsein und die Gemeinschaft, das Beten und die Arbeit, sind zwei jener Spannungsfelder, in denen das Leben Kraft gewinnt. Nicht nur Mönche gewinnen, wenn sie diese Spannungsfelder nicht einebnen, sondern gestalten.