Wir alle kennen die Wirkmacht des Wortes. Worte des Lobes, der Anerkennung können uns aufrichten. Wenn wir hingegen verbal entwertet werden, tragen wir oft jahrelang Verletzungen mit uns herum. Lesen wir ein schönes Liebesgedicht, können wir zutiefst berührt sein. Werden wir in der Zeitung gepriesen oder verurteilt, dann sind wir oft zeitlebens geprägt. Worte haben ihre Wirkung auf uns Menschen – ohne Worte gehen wir zugrunde.
Ähnlich ist es mit dem Wort Gottes. Es kehrt, einmal ausgesprochen, nicht ohne Wirkung zu Gott zurück. Es erreicht all das, wozu es ausgesandt ist. Die größte Kraft erhielt das menschgewordene Wort Gottes in Jesus. Jesus brachte uns die Worte der Frohen Botschaft und vom Reich Gottes. In Jesu Rede vom Himmelreich spricht er davon, dass wir das Wort vom Reich Gottes hören und verstehen sollen. Erst wenn wir das Wort wirklich verstehen, bringt es reiche Frucht.
Wie aber können wir das Wort Gottes wirklich hören und verstehen? Wir müssen unser Herz für dieses göttliche Wort öffnen, es darf nicht verhärtet sein. Unser Herz soll also lebendig sein, schlagen oder bluten für die Not und die Bedürfnisse der Menschen und die Worte Gottes. Wenn wir mit dem Herzen hören, dann können wir auch mit den Augen ganzheitlich sehen. Wir sehen dann nicht nur das Äußere (Aussehen, Kleidung, Titel etc.), sondern auch das Wesentliche, das, was den Menschen und die Welt in ihrem Wesen auszeichnet: die innere Gesinnung, die inneren Zweifel und Nöte, die menschlichen Abgründe, die Fülle genauso wie die Leere, den Glauben an sich und an Gott. So betrachtet, so wahrgenommen erfahren wir erst die Würde, die Gott uns zugedacht hat. So spüren wir, dass wir von Gott und von den Menschen als die, die wir sind, geachtet werden. In dieser Weise angesehen zu werden bedeutet auch Ansehen zu erhalten, sich als geliebt zu wissen.
Sehen wir so, dann sehen wir auch, wo wir uns in unserer Lebensgeschichte verrannt haben, wo wir irre gehen oder gegangen sind. Wir können mit dieser Einsicht umkehren, unser Leben neu beginnen. Dabei dürfen wir uns vom göttlichen Wort begleitet wissen, das in uns Wurzeln schlägt und durch uns zahlreich Frucht bringt. Dieses Sehen und Hören geht nur, wenn wir nicht gänzlich von den Sorgen des Alltags, von dem Rausch der modernen Trends, vom Streben nach Macht und Konsum besetzt sind. Frei von diesen Lasten kann das Wort in uns den Boden für das Reich Gottes bereiten, das uns die Fülle des Heils verspricht.