Josef Pühringers Engagement zeigt: Steter Tropfen höhlt den Stein
Ausgabe: 2002/29, Politik, Alltag, Zukunft;
16.07.2002
- Ernst Gansinger
Als Josef Pühringer 1995 die Aufgabe übernahm, erwartete er (wie seine Mitstreiter/innen), sie würde ein, zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die Aufgabe war die des hauptamtlichen Geschäftsführers der Oö. Plattform gegen Atomgefahr. Das Ziel hieß, das Atomkraftwerk Temelin zu stoppen.
Sieben Jahre sind seither vergangen. Der letzte Erfolg ist (noch) nicht eingetreten. Sieben Jahre mehr als hundertprozentiges Engagement sind eine lange Zeit für jemanden, der Familie hat. Es geht nur, wenn die Familie das Engagement mitträgt. Bald wuchs das Gefühl, es hat Sinn, was der Papa macht. Die Kinder waren auch stolz.
Der Preis des Engagements
„Um keine einzige Stunde ist mir Leid. Außer dass die Kindheit und Jugend meiner Kinder nicht mehr zurückzuholen ist.“ Die vier Kinder sind heute im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren. Jetzt möchte Pühringer nachholen, was ihm lange kaum möglich war: Zeit für die Familie haben – mit den Kindern zelteln, wandern, reden, ausruhen, Sport betreiben. Engagement nimmt Zeit in Anspruch. Ist es also familienfeindlich? „Nein. Jedes Hobby, auch wenn es ausschließlich zur eigenen Freude ist , wie jagen, golfen oder sporteln“, sagt Josef Pühringer. Ist irgendwie auch familienfeindlich. „Da ist das Engagement für eine atomkraftwerksfreie Zukunft familienfreundlich.“ Es sichert ja geradezu die Zukunft der Familie. Familienfreundlichkeit und ein Ja zum Leben ist unkomplett, wenn es sich im Hier und im Momentan erschöpft, könnte man Pühringers Position zusammenfassen. Es braucht den in die Zukunft weisenden Einsatz. Der Kampf gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin zerrte an den Nerven und an der Hoffnungsfähigkeit. Die Hoffnung hat Josef Pühringer nicht aufgegeben, wenn er auch sehr enttäuscht ist von der Politik, insbesondere von der Bundespolitik. Ohne den großen Einsatz der Atomkraftwerks-Gegner wäre Temelin zwei, drei Jahre früher fertig geworden und hätte weniger Sicherheitsauflagen, ist sich Pühringer sicher. An die Öffentlichkeit würden zudem weniger Informationen gelangen. Nun sind andere Instrumente als die der Bürgerbewegungen gefragt: gerichtliche Schritte, wirtschaftliche Maßnahmen. Hier ist die Politik gefordert. Sie sollte zum Beispiel endlich umsetzen, was sie längst angekündigt hat: Kein Atomstromimport. Auch jeder Einzelne ist gefragt: Grünen Strom beziehen statt gedankenlos Strom kaufen. Das wäre eine zeitunaufwendige Familienfreundlichkeit, weil es eine Investition in die Zukunft ist!
Josef Pühringer
Zur Person
Josef Pühringer, geboren 1960, verheiratet, vier Kinder, war seit 1995 als Geschäftsführer der OÖ Plattform gegen Atomgefahr hauptberuflich in der Anti-AKW-Bewegung tätig. Im Juli dieses Jahres ist er wieder in seinen Beruf zurückgekehrt. Der gelernte Elektrotechniker sattelte vor Jahren um, wurde Lehrer und ist Volksschuldirektor in Neufelden, Mühlviertel. Als solcher war er nun sieben Jahre für die Tätigkeit in der Plattform karenziert. Pühringer wird sich aber – zurückgekehrt in den Schulberuf – weiterhin, wie in den Jahren vor der Geschäftsführertätigkeit, gegen Atomkraftwerke einsetzen. Sein Engagement begann 1986. Die Tschernobyl-Katastrophe führte dem Lehrer Pühringer vor Augen, wie unzureichend vorbereitet Öffentlichkeit und Schulen auf solche Katastrophen sind. Was heißt angesichts von Tschernobyl der Lehrereid, sich Gesundheit und Wohlergehen der Schüler/innen angelegen sein zu lassen? Diese Frage war der innere Antrieb des Anti-AKW-Engagaments und wird es weiter bleiben, wenn auch in veränderter Form.