Im Freibad, am Strand, bei Arbeit im Freien oder an einem lauen Sommerabend: Das in Südafrika erzeugte Kurbelradio begleitet Sie ohne Strom aus der Steckdose und ohne Batterien.Seit einigen Jahren wird ein Radiogerät angeboten, dessen Grundidee gleichermaßen verblüffend wie revolutionär ist.
„Warum nicht das Prinzip eines Fahrrad-Dynamos nutzen?“, dachte der heute 65-jährige englische Erfinder Travor Baylis. Er hatte erfahren, wie wichtig es für viele afrikanische Ländern wäre, in Radiosendungen über die Aids-Vorbeugung zu informieren. Gleichzeitig aber war die mangelhafte Energieversorgung in genau diesen Gebieten ein Problem.
Baylis machte sich an die Arbeit und erfand das Radio zum Kurbeln, das mittlerweile zusätzlich mit einer Solarzelle ausgestattet ist und völlig netz- sowie batterieunabhängig läuft. Durch Kurbeln wird die eingebaute Stahlfeder aufgezogen und betreibt beim Zurücklaufen einen Generator. Eine halbe Minute Muskelkraft sorgt für eine Stunde besten Empfang.
Behindertenprojekt in Südafrika
Mittlerweile sind auch Taschenlampen zum Kurbeln erhältlich, ebenso funktionieren Handys und Kleincomputer. In Zukunft will man sogar energieunabhängige Minensuchgeräte entwickeln. Neueste Travor-Baylis-Erfindung ist ein Schuh, der mit jedem Schritt Energie erzeugt. – Produziert werden die einzigartigen Solar- und Kurbelradios in der Freeplay-Fabrik bei Kapstadt (Südafrika), die Behindertenverbänden und Nichtregierungsorganisationen gehört. Fast die Hälfte der Angestellten sind behinderte Menschen.
Bisher wurden weltweit mehr als drei Millionen Geräte verkauft, wenngleich das ursprüngliche Ziel, damit vor allem Entwicklungsgebiete zu bedienen, noch nicht erreicht ist. Obwohl das Internationale Rote Kreuz und die UNESCO mithelfen, konnten bis Jahresende 2001 erst knapp 200.000 Kurbelradios in Länder der sogenannten Dritten Welt geliefert werden. In erster Linie sind nach wie vor Radiohörer/innen in Nordamerika und Europa am Energiesparen interessiert. Was ja ebenso wichtig ist.