Den „Portiunkula-Ablass“ können Katholiken am 2. August oder am Sonntag darauf „gewinnen“.
Eine kleine Kapelle inmitten der großen Basilika von Assisi. Das ist Portiunkula. Hier hat Franz von Assisi 1208 das Evangelium von der Aussendung der Jünger gehört. Das saß tief – und hat ihn verändert. Später hat Franz von hier aus „seine“ Jünger auch nach Deutschland geschickt. Warum ein „Ablass“ mit dieser Bezeichnung? Zugegeben, heutigem Denken scheint ein Ablassmechanismus suspekt. Ein paar Bedingungen erfüllen, und schon ist die Seele rein. Und dann: vollkommener Ablass oder bloß ein Teilablass? Macht Gott es denn anders, als Menschen es tun, wenn sie vergeben? Vergebung unter Vorbehalt – das funktioniert doch nicht! Doch gerade der Portiunkula-Ablass zeigt, dass es auch ein fruchtbares Verständnis von Ablass geben kann. Wer „ablassen“ will von einem untauglichen Weg, ändert die Koordinaten seines Lebens: mit Zeit und Ort – mit Terminkalender sozusagen, in den man die wichtigen Dinge einträgt wie Uhrzeit, Treffpunkt, die Sache, um die es geht. Versöhnung braucht Zeit – und sie verändert die Richtung. An diesem Ort – die Kirche schreibt eine Pfarrkirche oder sieht eine franziskanische Kirche vor – soll dieser Mensch beten. Beten ist nicht eine mechanische Sache, bei der es nur auf die Zahl der Texte ankäme. Man betet – wie es die Bibel lehrt, mit ganzem Herzen, schwingt ein in die Lebenshaltung, in der man betet. „Portiunkula“ meint, sich von Jesus in Dienst nehmen zu lassen – wie Franz von Assisi es getan hat. Eine starke Herausforderung! Von Franziskus heißt es, er hätte in jungen Jahren einen Traum gehabt. Er wollte damals an einem Feldzug nach Süditalien teilnehmen. „Warum läufst du dem Knecht nach und nicht dem Herrn?“, soll ihm die Stimme im Traum zugerufen haben. Nicht Moden nachzulaufen, sich nicht knechten zu lassen von Erwartungen und vermeintlichen Wichtigkeiten – sondern dem eigenen Weg – dem Herrn – zu folgen. Darum geht es. Diese Stimme hat Franz zu den Armen geführt. Wer im Sinne des Franz den Ablass sucht, riskiert, dass Gott auch ihn diesen Weg führt. Nicht für Menschen, die sich die Sache leicht machen wollen, ist der Ablass da, sonder für jene, die sich von Gott betreffen lassen wollen.