Die Caritas Österreich will mit der Augustsammlung ihre Hilfe für Malawi verstärken: durch Geld für Lebensmittel und Bewässerungsprojekte.
Für 176 Familien in Mwanga war es am Dienstag vergangener Woche wieder so weit: Mitarbeiter der Caritas Malawi teilen ihnen die monatliche 50-Kilogramm-Ration Mais aus. Familien mit unterernährten Kindern erhalten zusätzlich 15 Kilo Sojamehl; Aids-Patienten oder chronisch Kranken werden davon neun Kilo in die mitgebrachten Säcke gewogen. Möglich gemacht wurde die Lebensmittelverteilung erst durch eine Soforthilfe (20.000 Euro) der Caritas Österreich, erklärt Francis Ugeni von der Caritas in Blantyre. Als dramatisch bezeichnet Ugeni jedoch eine Tatsache: aus vielen Dörfern hier im Distrikt von Phalombe stehen bereits Mitte Juli mehr als 50 Prozent der Familie um Mais und Sojamehl an. Was Francis Ugeni von den Erhebungsbögen der örtlichen Mitarbeiter vermutet, sagt auch das UN-Welternährungsprogramm (WFP) für Malawi voraus. Die Zahl derer, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind (im Juli waren es rund 545.000), wird sich bis spätestens Dezember nahezu versechsfachen (3,2 Mill). Erst die Ernte im April 2003 sollte zu einer Entspannung der Lage führen. Doch nicht nur in Malawi hat heuer die extrem kurze Regenzeit zu einem massiven Ernteausfall geführt. Das angrenzende Mosambik und Sambia leiden unter der schlechten Ernte ebenso wie Simbabwe, Lesotho und Swaziland. Laut WFP-Prognosen werden im südlichen Afrika ab Dezember 12,8 Millionen Menschen auf regelmäßige Lebensmittelhilfe angewiesen sein. Verschärft wird die Situation dadurch, dass schon von Jänner bis April 2002 der Großteil der Bevölkerung Malawis Hunger gelitten hat. Lesen Sie nächste Woche in der Kirchenzeitung: Thema „Malawi“
Sie leben in einer tödlichen Falle
Interview
Wie dramatisch ist der Hunger in Malawi?
Küberl: Nur drei Monate nach der Ernte sind die Vorratskammern der Bauern bereits halb leer. Das heißt, im Spätherbst sind die Reserven aufgebraucht. Bereits jetzt kann in vielen Dörfern jede zweite Familie nur deshalb überleben, weil die Caritas und andere Organisationen Lebensmittel verteilen. Erschwert wird die Lage, weil die meisten kein Geld haben um sich Lebensmittel zu kaufen. Die Menschen leben in einer tödlichen Falle: Sie haben nichts, weil zu wenig gewachsen ist, und sie können sich nichts kaufen, weil sie kein Geld haben.
Noch gibt es keine Katastrophenbilder. Die Caritas sammelt dennoch schon jetzt?
Küberl: Unbeachtet von den Medien sind schon viel zu viele Menschen gestorben. Wir müssen uns jetzt vorbereiten, die Lager müssen gefüllt werden, damit wir im Spätherbst bereit sind und es nicht zur absoluten Katastrophe kommt. Wenn zur Unterernährung eine Krankheit wie Malaria oder Cholera hinzukommt, dann ist das eine tödliche Kombination. Und es gibt relativ viele unterernährte Kinder. Denn wird das nicht sofort bekämpft, dann können das die Kinder ihr ganzes Leben lang nicht mehr aufholen.
Welche Erfahrungen sind Ihnen in Malawi besonders unter die Haut gegangen?
Küberl: Das Gespräch mit Unice, einer Witwe. Sie hat zu ihren eigenen vier Kindern noch fünf Waisenkinder ihrer an Aids verstorbenen Schwester in die Familie aufgenommen. Und deswegen hat sie auch nicht mehr zu essen. Im Gegenteil: das Nichts, das sie hat, soll sie mit noch mehr teilen. Und noch nie habe ich bisher so deutlich erlebt, dass die Zeitbombe Aids gezündet ist: 2001 sind zehn Prozent der Lehrer gestorben und mussten deshalb Schulen geschlossen werden. In jedem Dorf leben Dutzende Waisenkinder. Niemand weiß, was es heißt, wenn innerhalb weniger Jahre Millionen Kinder elternlos sind.