Bewohnervertretung von St. Pius mahnt zu Behutsamkeit
Ausgabe: 2002/31, St. Pius, Bewohner, Förderbereich;
30.07.2002
- Ernst Gansinger
Unser Ziel bei der Integration ist: langsam, behutsam, begleitet.“ – So fasst FritzRaberger die Anliegen der Bewohnervertretung von St. Pius zusammen.
Die Lebensbedingungen für behinderte Menschen sollen sich ändern. „Paradigmenwechsel“ nennt das die Politik im Besonderen Landesrat Ackerl, der ein „Chancengleichheitsgesetz“ im Entwurf vorgelegt hat. Damit sind mehr Selbst- und Mitbestimmung der Menschen mit Beeinträchtigungen gemeint, ebenso deren Möglichkeit zu Persönlicher Assistenz sowie unabhängiges und bedarfsgerechtes Wohnen und ein Mindesteinkommen. Als eine der Vorreiterinnen dieser Veränderungen könnte die Bewohnervertretung von St. Pius gelten. In St. Pius, einer Einrichtung der Caritas für Menschen mit Behinderung in Steegen-Peuerbach, gibt es seit 1999 eine gewählte Bewohnervertretung aus dem Kreis der Menschen mit Beeinträchtigung. Das heute fünfköpfige Team (Christian Siegesleitner, Hans Danner, Sabine Nemmer, Friedrich Raberger und Friedericke Altreiter) unterstützt etwa 170 Bewohner/innen von St. Pius und einiger Außenwohnungen auf ihrem Weg zu vermehrter Selbst- und Mitbestimmung. Es bündelt als deren Sprachrohr ihre Anliegen und Sorgen. Heuer im Mai erhielt die Bewohnervertretung den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung.
Unsicherheiten und Ängste
Die Bewohnervertretung formuliert auch Ängste und Sorgen, vor allem in Zusammenhang mit dezentralen Wohnformen: „Es ist relativ viel Unsicherheit da. Wer schon 30 Jahre oder länger bei uns wohnt, warum soll der jetzt weg?“ Manche sorgen sich, die Gemeinschaft und die über Jahre gepflegten Kontakte zu verlieren. Viele möchten in Peuerbach bleiben.
Eine weitere Sorge bei aller Freude an der vermehrten Selbstständigkeit ist die Zukunft der Arbeit. Pläne, Beschäftigungen in entfernte Geschützte Werkstätten auszulagern, werden skeptisch kommentiert. Hier bleiben und arbeiten zu können, könnte auch selbstbestimmt leben heißen. Es ist außerdem noch relativ unklar, was das angekündigte Mindesteinkommen bedeutet. Wird man sich damit die Wohnungskosten leisten können?Mehr BetreuungAm Anfang, so Sabine Nemmer, wird es bei dezentralem Wohnen mehr Betreuung brauchen, was dann Schritt für Schritt abgebaut werden kann: Unterstützung im Haushalt, beim Einkaufen und beim Umgang mit Geld. Es werde wichtig sein, jemanden zu haben, mit dem man reden kann.
Ein besonderes Anliegen ist den Bewohnervertretern auch der Förderbereich: Wer so stark beeinträchtigt ist, dass er nur wenig arbeiten kann, ist in St. Pius im Kreativitätsbereich und nimmt am Leben teil. Dies sollte durch verbesserte Betreuerschlüssel noch verstärkt möglich sein.