Im Kirchenkalender steht es nicht vermerkt. Doch der 6. August 1945 hat mit der Welt auch den Glauben verändert.
140.000 Menschen starben sofort oder in den ersten Monaten danach. Die Besatzung eines B-29-Bombers der US-amerikanischen Luftwaffe hatte die erste Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen. Die US-amerikanische Regierung verschleierte das Ereignis, gab nur bekannt, eine „neuartige Bombe“ habe „beträchtlichen Schaden“ angerichtet. „Neuartig“ ist, wie das alltäglich gewordene Blutvergießen des Krieges ins Gigantische explodierte. So viele Menschen! „Beträchtlichen Schaden“ hat der Glaube an das Gute im Menschen an diesem Tag im August 1945 genommen. Drei Tage später starben in Nagasaki 70.000 Menschen. Kein Seligsprechungs- oder Heiligsprechungsverfahren könnte das Martyrium der Zigtausenden je rekonstruieren. Alle Spuren dieser Menschen – ausgelöscht. Oft blieb nur ein dunkler Schatten am Rest einer Wand. In der bizarren Schönheit einer Urgewalt verdampfte das Leben. Hiroshima und Nagasaki lassen sich nicht erklären, schon gar nicht rechtfertigen. Es sind Gedenktage des Fragens. Warum?Der deutsche Atomphysiker Carl Friedrich von Weizsäcker war sich bewusst: „Wenn Atombomben hergestellt sind, wird es jemanden geben, der sie einsetzt.“ Und: „Das Leben der Menschheit (hat) jetzt nur noch die Wahl, entweder die Institution des Krieges zu überwinden oder sich selbst zugrunde zu richten.“ Auf Gott zu vertrauen ist noch radikaler geworden. Die Menschheit als Ganze ist der Lebensbedrohung ausgesetzt. Früher dachte man, nur Gott hätte dies in der Hand: Leben zu geben und das Leben zu nehmen. Jetzt ist es anders. Leben zu zerstören, das haben Menschen gelernt. Leben zu wecken nicht. Mit aller Kraft und aus ganzem Herzen Leben zu fördern – das ist umso mehr Auftrag nach Hiroshima und nach Nagasaki.