Mit seiner Amerika-Reise hat Johannes Paul II. zwei starke Signale gesetzt: eine Option für die entrechteten Indios und für die Jugend.
Wieder einmal hat Johannes Paul II. alle überrascht. Allen Befürchtungen zum Trotz hat der 82-jährige gebrechliche Papst die elftägige Mammut-Tour durch Kanada, Guatemala und Mexiko nicht nur überstanden, sondern wieder Millionen Gläubige beeindruckt und ermutigt. Beim Weltjugendtag in Toronto feierten ihn die jungen Katholiken aus aller Welt wie einen Superstar und applaudierten seiner Botschaft. Im katholischen Lateinamerika hatte er ohnehin ein „Heimspiel“ vor einem dankbaren Publikum, dem er mit Pedro de San José de Betancur (Guatemala) und Juan Diego (Mexiko) zwei volksnahe und populäre Heilige brachte.
Die 97. Auslandsreise nach Toronto und zur Heiligsprechung von Juan Diego, einer Zentralfigur lateinamerikanischer Volksfrömmigkeit, waren für den Papst zwei Beiträge für die Zukunft der Kirche. Im säkularen Umfeld der Metropole Toronto präsentierte Johannes Paul den zuletzt 750.000 Teilnehmern des Weltjugendtreffens seine Botschaft der Hoffnung – und setzte seine Hoffnung in die Jugend. Angesichts der Hoffnungslosigkeit nach dem 11. September 2001 rief er zur Versöhnung auf: zur Versöhnung mit Gott, mit den Mitmenschen, aber auch zwischen Nationen, Kulturen und Religionen und zum Aufbau einer neuen, auf ethischen Werten gegründeten Gesellschaft.
Signal an Indios
Im Zeichen der Zukunft der Kirche standen auch die Etappen in Guatemala und Mexiko. Das Erbe des Laizismus und das Einströmen fundamentalistischer Sekten aus Nordamerika schmälern den Einfluss der Kirche auf dem „katholischen Kontinent“. Die Heiligsprechung des in ganz Lateinamerika hoch verehrten Juan Diego Cuauhtlatoatzin (1474–1548) war eine Aufwertung der Volksfrömmigkeit. Immerhin besuchen rund 20 Millionen Menschen jährlich das Marienheiligtum von Guadalupe, am Rand von Ciudad de Mexico. An dem Ort war dem Indio 1531 „la Morenita“, die dunkelhäutige Madonna, vier Mal erschienen. Verbunden wurde dieser liturgische Akt mit einer Solidaritätserklärung für die benachteiligten Indios und mit dem Appell, ihnen endlich Gerechtigkeit zuzugestehen.