Krakau steht im Mittelpunkt der Reise, die Johannes Paul II. vom 16. bis 19. August nach Polen führen wird.
Während bei früheren Besuchen in Polen Johannes Paul II. – zuletzt noch im Juli 1999 – zahlreiche Städte besucht und einen wahren Programmmarathon absolviert hat, wird er diesmal nur wenige Gottesdienste feiern und die Erzdiözese Krakau nicht verlassen. Auf dem viertägigen Programm stehen Orte, mit denen sich Karol Wojtyla seit seiner Kindheit und Studentenjahre ebenso verbunden fühlt wie seit der Zeit als junger Priester oder späterer Erzbischof.
Wohnen wird Johannes Paul an einem vertrauten Ort: im erzbischöflichen Palais, wo er bis zur Papstwahl 1978 gelebt hatte. „Es geht darum, dass der Heilige Vater sich tatsächlich wie zu Hause fühlt, wenn er Krakau besucht“, erklärt Kardinal Franciszek Macharski. Seit 24 Jahren ist er Wojtylas Nachfolger in Krakau, doch all die Jahre blieb die Wohnung unverändert. Einzig neu ist der Lift, mit dem der 82-Jährige sein Appartement erreichen kann. Selbst in der Küche werden jene Schwestern für den hohen Gast sorgen wie vor 1978. Sr. Ludmila, die bereits für Erzbischof Wojtyla kochte: „Er liebt vor allem einfache polnische Gerichte.“
Seit Kindheit beliebt
Offizieller Höhepunkt der Reise wird ein Gottesdienst im Krakauer Blonie-Park am Sonntagmorgen sein. Zu diesem „Treffen mit Polen“ werden 2,5 Millionen Menschen erwartet. Bereits am Samstag besucht der Papst das nahe gelegene Lagiewniki , wo er die neu errichtete Basilika der „Göttlichen Barmherzigkeit“ segnen wird. Und am 19. August reist Johannes Paul II. in das Marienheiligtum von Kalwaria Zebrzydowska, das sein 400-jähriges Bestehen feiert.
Neben dem offiziellen Anlass hat gerade diese Etappe auch eine sehr persönliche Note. Immer wieder erinnert der Papst daran, dass gerade dieser Ort seine Marienfrömmigkeit geprägt hat. Als Kind kam er bereits aus dem nahe gelegenen Wadowice nach Kalwaria, später als Priester und Bischof, um vor dem Gnadenbild der Muttergottes zu beten und den Kreuzweg zu meditieren. Und die Bernardinerpatres, die das Heiligtum betreuen, erinnern sich täglich an die Bitte, die der Papst in Kalwaria Zebrzydowska bei seinem ersten Besuch in der Heimat 1979 geäußert hatte. „Betet für mich während meines Lebens und auch nach meinem Tode.“
Im Zeichen der Liebe
Angesprochen auf seine Erwartungen, die er mit diesem Besuch verbindet, meint Kardinal Franciszek Macharski: „Es ist eine Pilgerfahrt im Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit.“ Die Weihe des Heiligtums von Lagiewniki sei für ihn ein „Nachwort“ zur Enzyklika „Dives in misericordia“. Heute erwarte die Welt eine neue Zuwendung zur allbarmherzigen Gegenwart Gottes, so Macharski. Diese Sehnsucht der Menschheit bedeutet eine Hinwendung zu einer „Zivilisation der Liebe“. „Die Welt muss sich Gott zuwenden. Und jene, die nicht glauben können, sollen darauf vertrauen, dass sie als Menschen geschätzt werden“, meint der Gastgeber des Papstbesuchs in Polen.
Stichwort:
Lagiewniki
Hauptziel des Besuches von Papst Johannes Paul II. ist die neuen Basilika der „Göttlichen Barmherzigkeit“ am Lagiewniki-Hügel, am Rande von Krakau. Der Ort ist eng mit dem Leben der polnischen Ordensfrau Faustyna Kowalska verbunden. Die Mystikerin hat die Frömmigkeit des jungen Karol Wojtyla nachhaltig beeinflusst. In der Kapelle mit Faustynas Reliquien und dem Gnadenbild des Barmherzigen Jesus mit der Inschrift „Jesus, ich vertraue auf Dich“ betete er – noch in der Kriegszeit, als Arbeiter der nahe gelegenen Sodafabrik „Solvay“. Als Bischof förderte er die von Faustyna-Visionen geprägte Bewegung der „Barmherzigkeit Gottes“, die heute weltweit Millionen von Anhängern zählt. Johannes Paul II. hat diesen Ort gewählt, um „urbi et orbi“ an die wichtigste Eigenschaft Gottes zu erinnern: Gott ist reich an Barmherzigkeit.
Faustyna, am 5. Oktober 1938 im Alter von 33 Jahren im Ruf der Heiligkeit gestorben, ist die erste gebürtige Polin, die am 30. April 2000 heilig gesprochen wurdet. Ihr spirituelles Leben war außergewöhnlich reich an Visionen und mystischen Gaben. Ihr „Tagebuch“ enthält ein vollständiges Zeugnis ihres Auftrags, das sie in ihren letzten vier Lebensjahren, dem Wunsch Christi folgend, geschrieben hat. Darin sind die Begegnungen ihrer Seele mit Gott dargelegt.