Ein Sprengstoffanschlag auf ein christliches Missionsspital in Taxila nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hat bisher fünf Tote und mehr als 25 teils schwer Verletzte gefordert. Die Ordensfrauen hatten am Freitag nach dem Morgengebet gerade die Kapelle verlassen, als ein Sprengsatz geworfen wurde.
Dies war der zweite Angriff auf eine christliche Einrichtung in Pakistan binnen vier Tagen und der sechste in diesem Jahr. Bereits am Montag waren sechs Pakistaner in einer katholischen Schule in Murree bei Islamabad erschossen worden. Die Behörden gehen davon aus, dass die Angriffe auf Christen von miteinander vernetzten islamischen Extremisten verübt werden.
Die jüngsten Anschläge gegen Christen war letztlich gegen die Politik der USA gerichtet. Diese Ansicht vertrat der pakistanische katholische Priester Emmanuel Parwez in einem Interview mit Radio Vatikan. Parwez erklärte, radikale Muslime in Pakistan suchten sich die christliche Minderheit ihres Landes als Ersatz-Zielscheibe für ihre Wut gegen die USA aus. Weil diese als christliches Land gesehen werden, das mit dem Islam im Krieg liege, wende sich der Hass gegen die Christen im eigenen Land. Als Reaktion auf die Anschläge haben die USA und Italien ihr Konsulat im südpakistanischen Karachi geschlossen.
Die Stellvertreter
Kommentar von Walter Achleitner:Sie zielen auf Kinder in Missionsschulen und Krankenschwestern in Ordensspitälern. Zehn Tote und dutzende Schwerverletzte sind das Ergebnis der vorläufig blutigsten Woche für die Christen in Pakistan seit dem „Anti-Terror-Krieg“. Von Washington über London bis Berlin ist das Entrüsten über derart verabscheuungswürdige Verbrechen groß. Die christliche Minderheit, die seit Jahren unter dem Vorwand obskurer Gesetze an den Rand gedrängt wird, muss das Vorurteil büßen, dass die USA ein christliches Land sind. Da im Oktober das Parlament gewählt wird, ist zu befürchten, dass noch mehr pakistanische Christen dem Hass zum Opfer fallen werden.