Der US-Jesuit Donald Moore gilt als Vermittler zwischen den Fronten. Seine Botschaft an die westliche Welt: Die Mehrheit der Israelis und Palästinenser wünscht den Frieden. Es ist unsere Aufgabe, sie in diesem Prozess zu unterstützen.
Donald Moore kommt seit 20 Jahren zum Gedenken an Franz Jägerstätter am 9. August nach Ostermiething und St. Radegund. Der Jesuit lehrt an der Fordham University in New York und ist jeweils ein halbes Jahr als Beauftragter für den interreligiösen Dialog in Jerusalem tätig. Er erlebte den 11. September in New York und gehörte im Frühling 2002 zu einer Gruppe von Friedensaktivisten, die versuchte, Brot in die belagerte Geburtskirche von Bethlehem zu bringen. Wenige Tage nach der israelischen Erstürmung besuchte er das palästinensische Flüchtlingslager Jenin.
Mutiger Vermittler
Donald Moore ist vor allem als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern bekannt. Bemerkenswert ist darüber hinaus sein Bestreben, die Öffentlichkeit in den USA für die Situation im Nahen Osten zu sensibilisieren. Bei der Gedenkveranstaltung am 9. August in Ostermiething teilte er mit dem Publikum seine Erfahrungen aus Jerusalem. Wie die Erfahrung von Samah Jabr, einer Medizinstudentin an der Al Quds Universität, der einzigen arabischen Universität in Jerusalem. Samah ist eine von vielen jungen Palästinensern/-innen, die sich nichts mehr als ein Ende der Gewaltspirale wünschen.
Die Mehrheit hören
Die Ermordung des 16-jährigen Israelis Ophar Rahoum hat Samah Jabr aufgeweckt. In einem offenen Brief beschreibt sie ihre Erschütterung: „Ich wünsche niemandem den Tod, weder Israelis noch Palästinensern, besonders nicht den Kindern.“ Tage nach dem Attentat wird ihre Bestürzung noch verstärkt, als sie erfährt, dass einer ihrer besten Freunde in die Ermordung des jungen Israelis verwickelt war. „Wann wird das ‚Heilige Land‘ heilig werden?“, fragt sie. Die Erfahrung Samah Jabrs ist kein Einzelfall. Mit dem Fortschreiten des Konflikts wird das kollektive Erlebnis auch zu einem persönlichen Schicksal, von dem jeder betroffen ist. Opfer werden zu Tätern, die aus Verzweiflung oder Wut handeln. „Die Mehrheit der Bevölkerung beider Seiten wünscht den Frieden“, so Moore. „Doch wo so viel Unterdrückung und Erniedrigung geschieht, ist die Kette der Gewalt kaum zu sprengen.“
Auch Besatzung ist Terror
„Es ist erschreckend, wie in den Medien polarisiert wird. Das Verständnis von Terror reicht bei vielen nur bis zu den Selbstmordattentaten. Von der unmenschlichen Situation, die Ausgangssperren oder Besatzung erzeugen, spricht niemand. Es ist unsere Aufgabe, Israelis und Palästinensern bei einer gegenseitigen Annäherung zu helfen“, betont Moore. Ab Jänner wird er wieder in Jerusalem sein.
Zur Sache:
Orientierungshilfe Jägerstätter
Ungerechtigkeit und Armut sind Nährboden für Nationalismus, Ideologie und Fanatismus. Nicht selten werden religiöser Glaube und Opferbereitschaft instrumentalisiert. Wie im Fall Jägerstätter stellt sich auch im Konflikt zwischen Israel und Palästina die Frage nach einem Ausweg aus der Spirale von Unrecht und Gewalt. Das religiös motivierte Denken und das gewaltfreie Handeln des am 9. August 1943 hingerichteten Bauern können sich als Orientierungshilfe erweisen.
Hintergrund
Prophet Franz Jägerstätter
„Was zeichnet einen Propheten aus? – Sicher die Berufung durch Gott. Oft sind Zeichenhandlungen mit im Spiel und meist auch eine sozialkritische Haltung. Der Berufene ist kein Spielball Gottes, sondern kann sich frei entscheiden. Er kann seinen Auftrag wahrnehmen oder nicht.“
Manfred Scheuer, Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Trier, setzt sich seit Jahren mit Franz Jägerstätter auseinander. Von Bischof Maximilian Aichern als diözesaner Postulator im Verfahren zur Seligsprechung Franz Jägerstätters beauftragt, nehmen seine Untersuchungen Aspekte wie das Martyrium oder die prophetische Gestalt Jägerstätters in den Blick (siehe Zitat oben). Der oberösterreichische Priester betont dabei besonders die religiösen Motive im Handeln des Innviertler Bauern und Mesners. Jägerstätter hätte zu jeder Zeit um die Konsequenzen seines Handelns gewusst, so Scheuer. Darüber hinaus hätte er ebenso die prophetische Gabe besessen, beispielsweise Hitlers Machtübernahme als Beginn einer Schreckensherrschaft voraus zu sehen. Auch die Bedeutung des Traumes, ein prophetisches Element, findet sich bei Jägerstätter.
Er träumt immer wieder von den Auswirkungen der politischen Unterdrückung im Dritten Reich und versucht in prophetischer Weise von der Ausweglosigkeit der NS-Ideologie zu überzeugen.