Von Bad Ischl nach St. Florian: Eine symbolträchtige Krone geht auf Reisen
Ausgabe: 2002/33, Bad Ischl, St. Florian, Krone,
14.08.2002
- Elisabeth Leitner
Sein Werk irritiert, befremdet, gefällt und erhellt: der Künstler R. Leitner-Gründberg weckt mit seiner Krone Erinnerungen an Märchen und Könige. In Ischl war die Krone gegenüber der Kaiservilla ein realer Stich ins „Wespennest“.
Rudolf Leitner-Gründberg hat bei der Aufstellung der Krone in Bad Ischl nicht mit derartigen Reaktionen gerechnet. „Mit diesem Projekt haben wir 1999 in ein Wespennest gestochen – eine Folge der unbewältigten Geschichte. Die offene Rede wurde aber am wenigstens gesucht.“, erzählt die Kuratorin der Ausstellung Barbara Leitner-Szapary. Es verwundert nicht, dass der Künstler damals mit einer Krone neben der Kaiservilla ins monarchistische Eck gedrängt wurde. Manchen Kritikern war dieses monumentale Werk überdies zu platt, zu vordergründig, zu klischeehaft.
Die Etikettierungen von Kunstkritikern sind ihm egal, wie er sagt. Der Künstler will mit seinem Werk kein gesellschaftliches Statement abliefern, sondern die Reise nach innen antreten. Leitner-Gründberg: „Die Krone ist das Symbol für das hierarchische Gesetz in uns. Die Krone steht für die höchste Ausformung, die wir in unserem Leben erreichen können.“ Zwar verweist alles Tun auf unsere Unzulänglichkeit, doch kann der Mensch nicht umhin, nach dem jeweils Höheren zu streben. „Was ich zu tun habe und wie ich es tue, weiß nur ich“, so der Künstler. „Das Königliche wurde in unserem Jahrhundert und in unserer Gegenwart nichtzugelassen. Nun tritt das Königliche als lebensbildende und kulturschaffende Kraft in unsere Gegenwart. In jedem Menschen schläft ein König“, erklärt Leitner - Gründberg. Wahrheit versteht er als einen Begriff, an den wir uns nur in unendlichen Visionen annähern können. Seine majestätische Krone soll die Betrachterin an die eigenen Visionen heranführen.
Das fünfteilige „Tafelbild“ mit 9 m Höhe, das sich farblich überaus gut in den Marmorsaal einfügt, ist jetzt bis 8. September im Marmorsaal des Stiftes St. Florian ausgestellt.