Getrennt – geschieden ... Vor den Trümmern einer Beziehung stehen immer mehr Menschen. Sie stellen sich die schmerzliche Frage: Wie soll es weitergehen? Viele Kinder sind mitbetroffen.
Nicht wenige stürzen sich nach dem Scheitern kopfüber in eine neue Beziehung – ein Fehler, denn Altlasten hängen sich oft wie ein Rucksack an. Es braucht schon wegen der Kinder eine passable Form im Umgang mit dem Ex-Partner. Auch müssen Enttäuschungen, Verletzungen, Trauer, Wut, Versagens- und Ohnmachtsgefühle aufgearbeitet werden. Spezielle Angebote tragen dazu bei und geben neuen Mut für die Zukunft: Die Diözese Linz bot bisher zweimal „Seminare zur Trennungsbegleitung für Elternteile und ihre Kinder“ an. (Auch in anderen Diözesen gibt es Angebote nach diesem Grundprinzip oder ähnlicher Art, s. Kasten unten.)
Mitbetroffene Kinder lernten im Rahmen des „Rainbows-Programms“, eines Projekts zur Aufarbeitung von Trennung und Verlust, mit ihrer schwierigen Situation umzugehen und sich von den Konflikten der Erwachsenen auch besser abzugrenzen. „Zurückschauen ist das eine, aber der versöhnliche Blick nach vorne das andere, damit der Start ins neue Leben gelingt!“, so der Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberater Mag. Peter Nenning, einer der Begleiter beim Seminar, das an fünf Wochenenden stattfand.
Der Blick zurück beinhaltete für die fünf teilnehmenden Frauen und drei Männer Offenheit zu Fragen wie: Wieso ist es schief gelaufen? Sind wir Konflikten (zu lange) aus dem Weg gegangen? Wo habe ich zu wenig auf mich geschaut? Wo waren und sind Abhängigkeiten? Was sind die Fallen, in die ich keinesfalls mehr tappen möchte? Und wie lässt sich wieder Vertrauen fassen? Fruchtbar wurden Loslösungsrituale und die Methode der Familienaufstellung empfunden. Nicht zu kurz kam auch der Austausch über ganz konkrete Dinge, wie die Bewältigung des Alltags mit Kindern und Finanzielles. Die Teilnehmenden steckten in verschiedenen Phasen der Trennung und lernten voneinander, nicht zuletzt aus den Schilderungen der „anderen Partner/innen“. Von Außenstehenden lässt sich nun einmal manches leichter akzeptieren als vom „Ex-Partner“. So wurde einem Mann durch eine Teilnehmerin klar, dass sein Verhalten bei seiner Frau wirklich Angst auslöste. Und Frauen hörten, was Väter empfinden, die zahlen sollen und die Kinder kaum sehen dürfen.
Wem das Angebot zu hochschwellig (weil zeitaufwändig) ist, dem rät Mag. Nenning zur Vergangenheitsbewältigung in anderer Form, etwa durch Gespräche mit einer Vertrauensperson oder in der Beratung. Auch Bücher ermöglichen Aufarbeitung. „Die Aufarbeitungs- und Konsolidierungsphase kann durchaus zwei bis drei Jahre dauern“, so Peter Nenning. Sie ist aber nicht zuletzt sinnvoll für einen neuen Selbststand.
Zum Thema:
Papa, wann fahren wir wieder zum Seminar?
Mag. Bernhard K., drei Kinder im Alter von 9 bis 14 – sie leben vorwiegend beim Vater. Den Kindern tat die Trennungsbegleitung besonders gut, vor allem dem neunjährigen Lukas, der sehr unter der Trennung der Eltern leidet. Er taute richtig auf und fragte zwischendurch öfters: „Dauert es noch lange bis zum nächsten Seminar?“ Seine beiden Schwestern schätzten, dass sie über alle Probleme im Zusammenhang mit der Trennung offen reden konnten. Der Vater fasst seine Erfahrungen so zusammen: „Ich kann nur jedem raten, ein solches Angebot anzunehmen. Wir Teilnehmenden gingen jedesmal lockerer und zuversichtlicher weg. Unsere Gruppe hat weiterhin Kontakt zueinander und wir organisierten schon eine Folgeveranstaltung zum Thema Neuorientierung, was mögliche neue Beziehungen auch im Hinblick auf die Kinder einschließt“.
Anmeldung für die nächste Veranstaltung in Bad Dachsberg: Arbeitskreis Alleinerziehende der Kath. Frauenbewegung, Diözese Linz, Kapuzinerstraße 84, Tel. 0732/7610-34 42. E-mail: ak.alleinerziehende@dioezese-linz.at.