Neunter Besuch des Papstes in seiner Heimat: Im Mittelpunkt stand die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes.
Die Rückkehr in seine Krakauer Heimat war für Johannes Paul mehr als ein Nostalgie-Trip. Mit seiner Predigt im Blonie-Park unterstrich der Papst, dass er mit seinen Landsleuten nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern ihnen auch den Weg weisen will. Bei der Ankunft am 16. August bereits rief er die Polen auf, ihr Land auf den Grundlagen von Gerechtigkeit, Liebe und Frieden aufzubauen. Das Land müsse sich „mutig auf neue Horizonte der Entwicklung“ hinbewegen. Dass viele Familien und vor allem alte Leute schwer an den Folgen des sozialen und wirtschaftlichen Wandels zu tragen hätten, beklagte der Papst. Niemand dürfe gleichgültig bleiben gegenüber dem Schicksal der Arbeitslosen und der wachsenden Zahl von Armen, mahnte Johannes Paul.
Mit dieser Reise wollte Karol Wojtyla seiner Heimat eine „Botschaft der Hoffnung“ bringen. „Für den Menschen gibt es keine andere Quelle der Hoffnung als das Erbarmen Gottes“, betonte der Papst dann auch in seiner Predigt am Samstag, bei der Weihe des neuen Wallfahrtszentrums in Lagiewniki. „Möge diese Kirche immer ein besonderer Ort der Verkündigung der Botschaft der mitleidvollen Liebe Gottes sein.“ Angesichts der „vielfachen Manifestationen des Bösen“, angesichts von Hass, Rache, Krieg, Leiden und des Todes schuldloser Menschen brauche die Welt das Erbarmen Gottes. Bei der Feier mit 200.000 Gläubigen vertraute der Papst die ganze Welt dem Erbarmen Gottes an.
Phantasie der Nächstenliebe
Die Überwindung von Ungerechtigkeit und zunehmender Gottesferne waren auch das Thema seiner Predigt in Krakau. Über zwei Millionen waren am Sonntag zur „Begegnung mit Polen“ gekommen. „Auf verschiedene Weise versucht man die Stimme Gottes im Herzen des Menschen zum Schweigen zu bringen. Man will Gott zum großen Abwesenden in der Kultur und im Gewissen der Völker machen.“ Diese Entwicklungen lösen im Menschen ein Gefühl von Zukunftsangst, innerer Leere, und Vernichtung aus.
Demgegenüber müsse man die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes mit neuem Elan verkünden. Diese sollte Anstoß für eine „neue Zivilisation der Liebe“ werden. Gegenüber den weit verbreiteten modernen Formen von Armut forderte er eine „Phantasie der Nächstenliebe im Geist der Solidarität gegenüber dem Nächsten“.