„Wir bedauern zutiefst, dass die Geschichte bis heute die Quelle von Hass, Angst und Unversöhntheit ist.“
Diesen Satz aus einer gemeinsamen Erklärung von österreichischen und tschechischen Kirchendelegationen berichtete der Ökumenische Rat der Kirchen in Östereich. „Zugleich“, so heißt es weiter, „sind wir der tiefen Überzeugung, dass nur ein Erkennen und Benennen der jeweiligen Schuld die Kette der Schuldverflochtenheit lösen und einen Weg zur Versöhnung öffnen kann.“ Das schmerzlichste Problem, so die Kirchenvertreter, sei das Schicksal der tschechischen Bevölkerung unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und die Vertreibung der deutschsprachigen Bewohner als Folge davon. Der einflussreiche tschechische Theologe Tomas Halik hat in Wien gemeint, die Wunden der Vergangenheit können nur im Dialog geheilt werden. Die Benes-Dekrete seien „kein glückliches“ Dokument, sie seien vom „moralisch nicht zu rechtfertigenden Prinzip der Kollektivschuld“ ausgegangen. Erlittenes Unrecht sei mit neuem Unrecht beantwortet worden. Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel hörte Haliks Vortrag. Er meinte, es gehe nicht darum, eine Lawine unerfüllbarer Forderungen loszutreten, sondern auszusprechen, was ist. Und er betonte: „Ich freue mich sehr auf den EU-Beitritt unseres nördlichen Nachbarlandes Tschechische Republik.“ Erfreulicher Weise gebe es bei bisweilen demagogischen Zuspitzungen in der Auseinandersetzung um die Benes-Dekrete auch den sachlichen, versöhnlichen Dialog, stellt Mag. Wolfgang Rank, der Präsident des Katholischen Laienrates Österreich, fest. Initiativen der Überwindung der Gräben zwischen Österreich und der Tschechischen Republik kündigten Kardinal Christoph Schönborn und der Prager Kardinal Miloslav Vlk an.