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99 Todesursachen

Allerheiligen und Allerseelen – Christen fragen nach dem Lebensgrund
Ausgabe: 2002/44, Tod, Allerheiligen, Allerseelen, Leben, Begräbnis, Leiche, Selbstmord, Herzinfarkt, Krankhei
29.10.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
99 Todesursachen unterscheidet die Statistik, was das Sterben der Menschen betrifft. Allerheiligen hingegen fragt nach der Ursache des Lebens.

Die Blumen an der Hecke sind welk geworden. Ausgebrannte Kerzenbehälter stehen im Herbstlaub da. An manchen Tagen zündet jemand ein neues Licht an. Hier ist ein Mensch gestorben. Der Morgenverkehr zieht in langer Kolonne vorbei. Ungeduldig die einen. Die Zeit wird knapp. Andere gelassen. Sie haben sich an den Stau gewöhnt. Ein Schock war es in der Gegend, als der Unfall geschah. „Hast du es schon gehört?“ Die Kinder! Die Frau! Herausgerissen aus dem Leben.

Wirklich herausgerissen? Der christliche Glaube lässt – inmitten der Betroffenheit – einen anderen Horizont aufleuchten.

Herzversagen:
Todesursache Nummer 1


In dem zuletzt von der Statistik erfassten Jahr 2000 sind 11.850 Oberösterreicher/-innen gestorben. Bei 6.093 hat das Herz-Kreislauf-System versagt. Todesursache Nummer eins also. 2.843 Menschen sind nach einem meist langen Ringen um das Leben an „bösartigen Neubildungen“ – Krebs also – gestorben.

An Krankheiten der Atmungsorgane sind 759 Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher im letzten Jahr gestorben. Die Angehörigen, die jetzt zu Allerheiligen deren Gräber besuchen, werden ihr „Nach-Atem-Ringen“ und ihre Hilflosigkeit spüren.

„Krankheiten der Verdauungsorgane“ ist als Todesursache von 577 Landsleuten registriert. An einer der „sonstigen Krankheiten“ sind 883 Menschen im Land gestorben. Das sind Krankheiten, vor denen man eigentlich kaum Angst hat, tritt doch jede von ihnen selten ein. Dann die „Verletzungen und Vergiftungen“. Es ist der jähe Tod. 695 Mal mussten das Angehörige erleben im letzten Jahr. 136 Tote im Straßenverkehr sind verzeichnet. 50 Menschen sind bei einem Brand ums Leben gekommen, 13 ertrunken.

233 Menschen aus Oberösterreich sind durch Selbstmord oder „Selbstbeschädigung“ aus dem Leben gegangen. Mord, Totschlag oder sonstige Gewalteinwirkung hat 19 Menschen das Leben gekostet.

Das ist der Tod, mit dem am Tag zuvor noch niemand gerechnet hat. Der Unfall. Die Nachricht, die plötzlich und unvermutet getroffen hat. Zwischen zwei Handgriffen. In der späten Nacht. Der Anruf, den man ein Leben lang nicht vergisst. Der Schock. Die Tage bis zum Begräbnis.

Allerheiligen und Allerseelen bringen die Trauer dieser Tage in Berührung mit jener außergewöhnlichen Botschaft: Auferstehung wird sein – und Leben.

Und es geht um das ganze Leben. Das Wort „heilig“ kommt vom griechischen Wort „holos“ und bedeutet „ganz“. Die das Leben „ganz“ gelebt haben – das sind die Heiligen. Nicht, wie lange ein Mensch gelebt hat, macht seine „Heiligkeit“ aus, sondern ob durch dieses sein Leben die Liebe Gottes unter den Menschen deutlicher geworden ist.


ZUR SACHE


Lebensursache Nummer 1


„Bis der Tod euch scheidet.“ So lange reicht die menschliche Liebe. Darüber hinaus können Menschen nichts mehr füreinander tun. Was dann noch ist, ist Erinnerung, ein gutes Andenken. Lebendig wird ein Mensch davon nicht mehr. In der Tat: Die Liebe, die Menschen zu Stande bringen, reicht – nur – bis zum Tod. An vielen Dingen kann sie schon vor dem Tod zerbrechen.

Die Liebe Gottes reicht über den Tod hinaus. Was man so beiläufig und aus Gewohnheit sagt, macht die bittere Probe, wenn Menschen sterben. Die Todesursache wird festgestellt, ein Schein ausgestellt.

Die Liebe Gottes hat einen anderen Namen. Sie ist, bedeutet und schenkt Leben.

Wenn zu Allerheiligen und Allerseelen Menschen die Gräber aufsuchen, so lautet die Frage nicht mehr: Woran ist ein Mensch gestorben?, sondern: Was lässt hoffen auf Leben? Nicht mehr der Verkehrsunfall, der Herzinfarkt, Krebs oder Altersschwäche sind dann die häufigsten Todesursachen, die vom Leben trennen. Die wirkliche und die gefährlichste Todesursache ist, was die Liebe verletzt oder zurückweist. Da zerbricht Hoffnung. Da verliert das Leben an Sinn. Wo Menschen Gott und dem Nächsten gegenüber die Liebe verweigern, verlassen sie das Leben – längst schon, bevor sie gestorben sind.

Friedhöfe werden so zu Gedenkstätten des Lebens. All die Trauer, all das Leiden, das hier begraben liegt – sie sind umfangen von der Liebe Gottes, der das Leben schenkt. Weil es so ist, lässt sich an diesem Ort Kraft finden, für das Leben zu sorgen, es zu achten, um es – wer weiß, wann – zurückzulegen in die Hand dessen, von dem es kommt. Gott ist die Lebensursache.

M. Fellinger<(/b>

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