Die Gegensätze weltweiter Einkommensverteilung wurden noch extremer
Ausgabe: 2003/31, Aids,China, Hunger
29.07.2003
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die UN-Entwicklungsagentur bilanziert über die 90er Jahre: es war „ein Jahrzehnt der Verzweiflung“. Mit Platz 16 liegt Österreich im Spitzenfeld der 175 bewerteten Nationen.
Die Herausforderungen sind enorm und der Fortschritt muss sich beschleunigen. Dieser „rote Faden“ begleitet den „Bericht über die menschliche Entwicklung“, der von der UN-Entwicklungsorganisation UNDP nun vorgestellt wurde. Verläuft die weltweite Entwicklung jedoch so weiter wie zwischen 1990 und 2000 – sie wird auf 367 Seiten analysiert –, dann steht es schlecht um die „Millenniums-Ziele“. Dann nämlich wird es bis zum Jahr 2147 dauern, um in Afrika südlich der Sahara die extreme Armut zu halbieren. Und gar erst 2165 könnte dort das Ziel erreicht werden, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu reduzieren. Dabei bietet die Analyse der 90er Jahre, die das Expertenteam der UNDP liefert, ein Bild der Verzweiflung: Zu Beginn des neuen Jahrtausends sind 54 Länder ärmer als sie es noch 1990 waren; in 34 Nationen ist die Lebenserwartung gesunken; in 21 Staaten hat der Anteil der Hungernden zugenommen; in 14 Ländern sterben mehr Kinder unter fünf Jahren; in zwölf Nationen ist die Rate der Schulkinder zurückgegangen. Nie zuvor sind so viele Länder im Index für menschliche Entwicklung nach unten gestürzt. Die Berechnung aus Pro-Kopf-Einkommen, Lebenserwartung und Bildungschancen weist für 24 Länder eine negative Entwicklung aus – von Armenien bis Simbabwe, darunter auch Russland und Südafrika. Zwischen 1980 und 1990 erlitten nur vier Staaten einen derartigen Rückschlag.
Hauptursache Aids
Als Ursachen dafür bezeichnen die Experten neben dem fehlenden Wirtschaftswachstum vor allem die Aids-Epidemie. Aber auch sinkende Entwicklungshilfeausgaben reicher und steigende Schuldenrückzahlungen armer Länder sowie der Preisverfall für Grunderzeugnisse seien dafür verantwortlich, heißt es. Und die Kluft zwischen Armen und Reichen wird immer größer. Die 25 Millionen reichsten US-Amerikaner verdienen gleich viel wie die zwei Milliarden Ärmsten der Welt. Ein weiterer Beweis wachsender Ungleichheit: in den 90er Jahren hat sich das Verhältnis der Kindersterblichkeit gegenüber jener in den reichen Ländern in nahezu allen Regionen zum Teil massiv verschlechtert. Einzige Ausnahme ist Lateinamerika und die Karibik. Dort ist das Risiko, dass ein Kind unter fünf Jahren stirbt, gleich bleibend fünf Mal größer. Ende 2000 mussten 1,2 Milliarden Menschen mit weniger als einem Euro pro Tag überleben. Dabei hat sich ihr Anteil an der Weltbevölkerung von 30 auf 23 Prozent verringert – wegen der wachsenden Weltbevölkerung ist ihre Zahl nur um 123 Millionen weniger geworden. Das nennt der Bericht auch einen Erfolg. Ausschlag dafür gab das enorme Wirtschaftswachstum in China. Dort wurden 150 Millionen Menschen aus extremer Armut gehoben. Walter Achleitner
Einzelheiten
Aids: Die Zahl der Erkrankten hat sich mehr als vervierfacht (42 Millionen). Sieben von zehn Aids-Patienten leben südlich der Sahara. 1998 sind alleine in Sambia 1300 Leher an der Krankheit gestorben – das sind zwei Drittel jener, die jährlich ausgebildet werden.Betten: Patienten mit Krankheiten, die auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen sind, belegen weltweit die Hälfte der Spitalsbetten. Durchfall: Von 1990 bis 2000 starben 13 Millionen Kinder an Durchfallerkrankung. Täglich sterben 30.000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Ernährung: Werden die hergestellten Lebensmittel weltweit gleich verteilt, dann kann jede Person 2760 Kalorien zu sich nehmen. Hungern heißt: es gibt täglich weniger als 1960 Kalorien. Gesundheit: Nur zehn Prozent der Forschungsausgaben konzentrieren sich auf Gesundheitsprobleme von 90 Prozent der Weltbevölkerung. Kredite: Die Zahl der Armen, die an Projekten für Kleinstkredite teilnehmen, stieg von 7,6 Millionen (1997) auf 26,8 (2001). 21 Millionen davon sind Frauen. Schätzungen zufolge gelingt es damit jährlich fünf von 100, das Leben ihrer Familie aus der Armut herauszuführen.Lesen: In wenig entwickelten Ländern ist es gelungen, die Rate der 15- bis 24-jährigen Frauen, die lesen können, gegenüber den gleichaltrigen Männern anzuheben: von 70 auf 81 Frauen pro 100 Männer. 876 Millionen können nicht lesen – zwei Drittel davon sind Frauen.